11.15.09

Ärger

Veröffentlicht in Arbeit tagged , , , , , um 9:53 von francy11

Endlich habe ich wieder kurz Zeit zum Schreiben. Die letzten Tage und Wochen habe ich Tag und Nacht gearbeitet. Oft bis spät nach Mitternacht, um dann um 8 Uhr wieder beim Kunden den Arbeitstag zu beginnen. Ich bin ausgelaugt und müde. Die letzten Tage kam es oft vor, dass ich in den Kleidern und mit Licht eingeschlafen bin und bis am Morgen durchgeschlafen habe. Meine Mitbewohnerin kam dann jeweils wenigstens das Licht löschen und mich zudecken.

Gestern als ich nach Hause kam, schob ich von innen den Türriegel zu. Ich dachte, wenn dann meine Mitbewohnerin heim kommt, kann sie ja klingeln, dann kann ich ihr die Türe aufmachen. Um 23 Uhr ging ich schlafen und dachte nicht mehr an die verriegelte Tür. Heute als ich aufwachte, die verriegelte Tür sah und meine Mitbewohnerin nicht da war schwante mir Böses. Wie verrückt suchte ich erst mal mein Handy, bis ich merkte, dass ich es im Auto vergessen hatte. Ich rannte im Schlafanzug zum Auto, um mein Handy zu holen. 9 Anrufe von ihr – und eine SMS, dass ich ihr Klingeln nicht gehört hätte und dass sie entweder auf der Treppe oder in ihrem Laden schlafen würde. Schock pur. Ich fuhr (im Schlafanzug!!!) sofort zu ihr in den Laden und holte sie ab. Sie schlief auf Stühlen und einem Berg von Kleidern. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen. Ausserdem brachte es mich zum Nachdenken. Wenn ich von der Arbeit so übermüdet bin, dass ich nicht mal mehr ein Sturmklingeln höre, dass ich mit den Kleidern einschlafe, mein Handy immer wieder irgendwo vergesse, dass ich die Autotüre eine Nacht lang weit offen lasse, dann kann etwas nicht mehr stimmen.

Heute ist Sonntag und die nächste Woche ist sehr, sehr streng. Ich sollte mich heute ausruhen, kann aber nicht, weil ich arbeiten muss. Es wird mindestens 4-5 Stunden dauern, bis ich alles von letzter Woche erledigt habe. Ich muss es heute Abend noch ins Büro bringen, damit es meine Chefin morgen reviewen kann. Ich will nicht mehr. Donnerstag und Freitag wurde ich von ihr kurzfristig auf einem Mandat eingesetzt. Wie sie da mit mir umging und was sie mir für die 2 Tage alles aufhalste grenzt an Mobbing. Wir waren zu viert und mussten Prozesse prüfen. Mir gab sie 3 Prozesse: den grössten und einen weiteren grossen und noch einen relativ kurzen. Ich bin verdammt noch mal erst ein Jahr dort. Die anderen (alle mindestens 2-3 Jahre dort) mussten nur einen (kürzeren) Prozess abarbeiten. Und derjenige, der immerhin 2 Prozesse hatte, hatte mit dem einen Prozess praktisch keinen Aufwand. Sie gingen alle bereits um 5 Uhr jeweils schon nach Hause und machten sich über mich lustig, im Sinne von: „Willst du etwa hier übernachten?“. Ich blieb bis 21 Uhr dort, um einigermassen vorwärts zu kommen. Ausserdem gaben sie mir viele Infos nicht weiter, die ich hätte erhalten müssen. Sie vergassen es einfach. Pech, was????

Das einzige, was mir gut tat, war, dass sogar der Finanzchef (unser Kunde) sagte, ich hätte den happigsten erwischt und sei ja total ins kalte Wasser geworfen worden. Beim Abschied am Freitag Abend dankte er mir dann besonders Herzlich für meinen Einsatz und meine Hilfe. Das tat gut. Ihm war total bewusst, dass die Aufgaben unfair verteilt wurden. Meine Chefin motzte dann noch die ganze Zeit herum, was ich alles falsch gemacht hätte und fragte mich die ganze Zeit: „das hast du schon auch gemacht, das hast du schon auch geprüft, davon hast du schon eine Kopie gemacht, ODER??????“. Nein, verdammt, für das meiste fehlte mir die verdammte Zeit, du Arschloch.

Ich war so sauer!!! Zum ersten Mal seit ich dort arbeite, dachte ich nicht mehr, dass ich nichts bin und nichts kann, sondern dass die anderen einfach totale Vollidioten sind, die die Aufgaben total unfair verteilen und kein Gespür für andere Menschen haben. Ich bin enttäuscht und schockiert zugleich. Wütend so oder so!!!

11.02.09

Der dritte Korken

Veröffentlicht in Uncategorized um 9:41 von francy11

Immer wenn meine Mitbewohnerin und ich etwas zu feiern haben, trinken wir Champagner, bzw. Mädels-Champagner mit Litchi-Geschmack. Die letzten Male haben wir angefangen, die Korken entsprechend zu beschriften und aufzubewahren. So haben wir z.B. einen „Guter Tag – 06.09.09″-Korken. Das war, als ich die Bänder riss und wir so einen lustigen Tag hatten. Der zweite Korken war unser einjähriges WG-Jubiläum, das war am 1.10.2009. Heute konnten wir den dritten Korken beschriften. Der Grund? Eigentlich wollte ich früh zu Bett, da rief mich eine Freundin an. Sie erzählte mir, dass sie sich soeben von ihrem Freund getrennt hatte und erläuterte mir die Details inkl. der Vorgeschichte. Es kam für mich nicht überraschend, ich hatte es schon lange geahnt. Dennoch war ich nach dem Telefonat einfach nur glücklich, dass ich diese Probleme momentan nicht habe. Ich würde es schlicht nicht aushalten. All die Kompromisse, die man in einer Beziehung eingehen muss, all die Vorwürfe, die teilweise erst nach Jahren an den Kopf geworfen werden, all die Beschämungen, all die Wut…mein Gott. Obwohl ich natürlich voller Mitgefühl war für meine Freundin, war ich einfach nur noch glücklich und nahezu euphorisch, dass ich diese Sorgen nicht habe. Ich rannte zu meiner Mitbewohnerin, nahm einen Champanger zur Hand und wir tranken auf unser glückliches Single-Leben. Es ging uns richtig gut. Es geht mir nicht darum, Beziehungen zu verurteilen. Aber wenn man als Single ab und zu einen Hänger hat, dann beschönigt man das Beziehungsleben schnell mal und vergisst all die Mühen, die dahinterstecken. Jetzt wurde mir das so richtig bewusst. Ich wäre jetzt nicht bereit, eine Beziehung einzugehen. Umso mehr freue ich mich, dass es für mich gar kein Thema ist.

So heisst unser neuer Korken: „Single-Feiertag – 2.11.2009″. Prost!

11.01.09

Heute ist ein guter Tag

Veröffentlicht in Angst, Bulimie, Gefühle, Leben, Schlechte Laune tagged , , um 1:27 von francy11

Das Wochenende war bisher sehr ‘müde’. Eigentlich hätte ich am Freitag noch Pary machen wollen und gestern zumindest noch auswärts essen gehen. Daraus wurde nichts. Ich war von der Woche, v.a. vom unregelmässigen Schlafrhythmus so übermüdet, dass ich mich am Freitag und Samstag nur noch knapp bis 23 Uhr wach halten konnte. Dies fand ich zwar sehr schade, aber ich beugte mich der Situation und ging jeweils früh ins Bett. Wenigstens reichte es am Freitag noch für ein Bier in der Quartierbeiz und gestern noch fürs Kino (knapp ohne einzuschlafen). Gestern war ich den ganzen Tag über sehr schlecht gelaunt. Ich hatte schon Angst, wieder einen Bulimie-Rückfall zu haben, aber es ging dann zum Glück ohne.

Heute hatte ich dann Mühe mit dem Aufstehen, aber jetzt geht es mir wieder gut. Es ist ein schöner Tag und ich war zeitweise sogar richtig glücklich. Es ist immer noch ein wenig Angst vorhanden, aber es geht. Die Sonne scheint und ich war in der Stadt an der Sonne einen Kaffee trinken. Es tat sehr gut, an der frischen Luft zu sein und von der Sonne mit Energie versorgt zu werden. In einer halben Stunde gehe ich eine Freundin vom Bahnhof abholen. Wir werden ein bisschen spazieren, quatschen, was essen und uns dann zur Krönung des Tages vielleicht sogar einen Hammam-Besuch genehmigen.

Heute ist ein guter Tag und ich bin dankbar dafür.

10.26.09

Geschützt: Gute Nachrichten

Veröffentlicht in Uncategorized um 9:02 von francy11

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10.25.09

Angst

Veröffentlicht in Angst um 8:07 von francy11

Trotz meiner Medikamente verspürte ich die letzten Tage wieder die gewohnte Angst. Ich war quasi wieder in Angststarre. Ich ging nicht nach draussen. Natürlich hatte dies mitunter auch damit zu tun, dass ich so müde war und mich erholen musste. Trotzdem ist es nicht ganz normal. Ich habe so Angst vor morgen, weil ich dann wieder Mandat habe und nicht weiss, ob ich es schaffen werde.

Hoffentlich kommt alles gut..

Hochsensibilität einmal mehr

Veröffentlicht in Hochsensibilität, Hochsensitivität, Sensibilität um 6:56 von francy11

Diese Woche war sehr anstrengend und (Gefühls-)aufreibend, wie man ja schon in vorherigen Posts lesen konnte. Am Wochenende war ich dann so übermüdet, dass ich es nicht schaffte, bei unserem Fasnachts-Planungs-Weiberabend gute Laune zu haben. Da half auch kein Weisswein, kein Rotwein und auch kein Schnaps. Dem Singstar verweigerte ich mich. Ich kann nicht singen und hatte keine Lust, mich zum Deppen zu machen. Ich hätte heulen können und musste mich arg zusammenreissen. Später gab es dann noch ein Musik-Quiz auf der Playstation. Ich kenne mich in diesem Gebiet nicht aus. Man kann nicht jahrelang kotzen und gleichzeitig Musikexperte sein. Jedenfalls fühlte ich mich an diesem Abend elend und einzig das Wissen um meine Übermüdung half, dass ich nicht völlig in meinen Depressionen wand.

Ich kam dann doch erst um 2 Uhr morgens ins Bett und war um 9 wieder hellwach. Gleichzeitig war ich todmüde, ich konnte kaum den Kopf gerade halten. Nach dem Mittagessen mit meiner Mutter legte ich mich im elterlichen Hause auf das Sofa. Ich dachte, ich könne nicht schlafen. Am Ende schlief ich ganze 4 Stunden, während mein Vater daneben herumschrie (nicht weil er böse war, er schreit halt einfach manchmal, anstatt dass er spricht) und meine Mutter Staub saugte. Kurz vor 6 wachte ich auf und fühlte mich einigermassen erholt. Ich fuhr dann nach Bern, legte mich wieder schlafen und beschloss, an diesem Wochenende nichts mehr zu machen ausser auszuruhen. Ich hatte es bitter nötig.

Die notwendige Ruhe kann ich mir umso mehr gönnen, je mehr ich meine ganz eigene Art und meine Wesenszüge verstehe. Durch das Buch, das ich zurzeit lese (‘Sind Sie hochsensibel?’) fühlte ich mich endlich verstanden und in meiner Art bestärkt. Ich weiss zwar nun schon seit längerem, dass ich nicht einfach verrückt oder schwach bin, sondern viel mehr Feinheiten um mich herum wahrnehme und somit auch früher als andere erschöpft bin. Ausserdem brauche ich aus diesem Grund immer wieder Gelegenheiten, um mich zurückzuziehen, das ist dringend notwendig, damit ich wieder in meine Mitte finde. Früher hatte ich deswegen immer gedacht, ich sei schwach. Heute weiss ich, es ist meine Art. Ich nehme Gefühle viel stärker wahr und auf. Das erschöpft. Aber es hat auch Vorteile, die ich hoffentlich immer klarer erkennen werde.

In dem Buch steht auch viel über meine Antidepressiva geschrieben. Es tat gut zu wissen, dass enorm viele hochsensible Menschen genau die gleichen Medikamente nehmen, um mit dem Leben besser klarzukommen. Natürlich ist es nicht die optimale Lösung. Aber ich verstehe langsam, dass ich mich nicht zu sehr mit den anderen Menschen verlgeichen sollte, die offenbar eine ganz andere Ausgangslage haben als ich. Und dass es – ganz offensichtlich – Menschen wie ich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Leben schwerer haben als andere.

Ich will mich überhaupt nicht in die Opferrolle drängen. Es hilft einfach, die gegebenen Tatsachen besser zu akzeptieren. Es wir mir auch immer bewusster, dass sich die meisten Menschen wohl nicht halb so viele Gedanken uns Sorgen machen wie ich. Deshalb haben sie auch mehr Zeit für ihre Hobbies oder andere Dinge. Es soll ja sogar solche geben, die machen sich überhaupt keine Gedanken. Für mich ungewöhnlich, aber es hilft, mir darüber klar zu werden. So kann ich versuchen, auch mal etwas weniger zu grübeln und nicht alles, was um mich herum geschieht gleich auf die Goldwaage zu legen. Die anderen machen das auch nicht.

Trotzdem ist will ich natürlich so viel wie es geht am ganz normalen Leben teilnehmen, das ist auch sehr wichtig für mich. Ich will mich nicht mehr so abkapseln, das tut nicht gut. Leider fehlt mir oft das Interesse, mich in gesellschaftliche Themen wirklich reinzudenken, aber ich werde mir Mühe geben.

10.21.09

Drunter und drüber

Veröffentlicht in Uncategorized um 9:20 von francy11

Mein Leben ist momentan völlig wirr. Wahrscheinlich ist es nicht mein Leben, sondern es sind einfach meine Gefühle, die verrückt spielen. Ich habe momentan Kurs in Zürich, da sind wir eine coole Gruppe von jungen Leuten. In solchen Situationen blühe ich auf, so wie früher, lache, blödle herum und geniesse das Zusammensein. Leider hat es aber auch eine Schattenseite. Ich verliere mich sehr schnell, habe immer das Gefühl, ich sage etwas falsches, mache mich lächerlich und voll zum Deppen. Kurz gesagt: ich bin jetzt nicht mehr bei mir. Mir geht es beschissen und meine Gefühle sind durcheinander. Ich denke die ganze Zeit an heute, gestern, vorgestern und frage mich, ob ich vielleicht dort und da was falsches gesagt habe, oder etwas zu zappelig war oder was auch immer. Ausserdem sprach ich die ganze Zeit so, wie mir der Schnabel gewachsen ist und das sollte man im beruflichen Umfeld ja wirklich nicht tun. Aus all diesen Gründen möchte ich am liebsten nur noch heulen. Ich fühle mich angreifbar, verletzlich, traurig. Ein bisschen geholfen hat mir die Beatboxing-Runde mit meinen Mitbewohnern (der Grossen und dem Kleinen) heute Abend. Ansonsten fühle ich mich aber allein und ausgeliefert.

Dann ist da noch eine Geschichte (Vielleicht noch ein paar Worte vorab: Mir ist aufgefallen, dass ich in letzter Zeit öfters von Männern schreibe, die mir im Leben begegnen. Das könnte dann ausschauen nach Sprunghaftigkeit oder sonstwas. Darum geht es mir aber nicht. Ich achte einfach etwas mehr darauf, was für Männer mir begegnen und beobachte genauer, anstatt dass ich einfach Augen und Ohren zuhalte. Ich schaue gerne schöne Menschen an, auch Frauen. Freue mich aber natürlich besonders, wenn ich mal wieder einem netten Mann, der mir dazu noch gefällt, begegne. Es ist das Spiel, das Flirten, das mir gefällt und darüber schreibe ich auch gerne, das ist alles):

Im Kurs neben mir sitzt ein Typ, der sogar – das wusste ich bis letzte Woche nicht – auch bei uns in Bern in einer anderen Abteilung arbeitet. Als ich ihn letzte Woche in Bern sah und erfuhr, dass er auch nach Zürich an den Kurs kommt, dachte ich, ‘och ne, nicht wieder so ein typisch langweiliger Revisor-Fuzzi’. Er ist zusätzlich Deutscher, ist genau wie ein Revisor angezogen. Und Deutsche (Männer) sehen irgendwie sowieso alle von Natur aus wie Revisoren (Buchhaltungs-TÜV-ler) aus, finde ich. Das ist keine Wertung, sondern für mich einfach eine neutrale Tatsache :) Jedenfalls habe ich ziemlich bald gemerkt, dass der Typ ziemlich attraktiv ist. Er ist nett, zuvorkommend, lustig, kommt auf mich zu und hat wunderschöne blaue Augen. Ausserdem mag ich sein Deutsch. Es klingt so nett und einfühlsam. Die letzten paar Stunden am Kurs heute waren hart. Damit ich zuhören konnte, hatte ich Ritalin intus. Das half enorm. Gleichzeitig war ich völlig durcheinander von der Energie, die ich links von mir spürte….von ihm.. Ich musste wohl total verstört gewirkt haben. Jedenfalls fragte er mich etwa eine Stunde vor Kursschluss: ‘Alles klar bei dir’. Ich nickte nur verlegen. Er fragte dann nochmals nach ’sicher??’. Ich dachte nur: ja, ausser dass ich dich am liebsten anspringen möchte, ist alles super-ober-klar, ja. Ich muss da noch was hinzufügen: er ist so alt wie ich, aber verheiratet und hat ein Kind. Deshalb ist er für mich natürlich tabu. Das war das, was mich so fertig machte, und warum bei mir eben auch NICHT ‘alles klar’ war. Im Zug nach Bern sassen wir dann noch nebeneinander. Um der Geschichte ein Ende zu setzten, hatte ich die ganze Fahrt lang meinen MP3 in den Ohren. Ich wollte nur noch weg. Nix mehr hören, nix mehr sehen. Anstatt es zu geniessen, wieder mal einen tollen Mann getroffen zu haben, fühlte ich mich wieder minderwertig und abhängig. Aus Frust kaufte ich mir am Bahnhof Bern für 40 Franken einen schönen, duftenden Strauss Blumen. Das half irgendwie.

10.19.09

Wie geht es mir?

Veröffentlicht in Angst, Arbeit, Leben um 8:43 von francy11

Es ist seltsam. Die letzten Tage, die ich erlebt habe, würde ich als echtes ‘Leben’ bezeichnen. Ich lebe einfach. Ich leide, freue mich, lache, denke nach, aber nicht zu viel. Ich stehe morgens auf und gehe abends schlafen. Ohne Stress. Natürlich hat dies damit zu tun, dass erst gerade Weekend war und ich diese Woche an einer Schulung in Zürich bin, bei der man zwar aufmerksam sein muss, die mich aber nicht allzu stark fordert. Ausserdem sind da ganz tolle Menschen, die ich wirklich mag und von früheren Schulungen kenne. das Zugfahren nach Zürich und zurück hat Spass gemacht. Aber auch nur, weil wir in der ersten Klasse fahren dürfen. Und auch für morgen und die nächsten Tage freue ich mich darauf. Im Zug kann man sich eine Stunde lang auf den Tag einstimmen. Und abends kann man den vergangenen Tag revue passieren lassen und dann entspannt in Bern ankommen und den Abend dem ‘Leben’ widmen. Man könnte also denken, es geht mir ganz gut. Doch irgendwie ist da noch eine andere Stimme. Und nun, wie geht es mir denn nun tatsächlich??

Da muss ich noch etwas ausholen: heute ist mir fast das Mittagessen im Hals stecken geblieben: ich habe im Gespräch mit den anderen Kursteilnehmern herausgefunden, dass ich inzwischen – nach einem Jahr bei der Firma – nicht mehr nur zwei, sondern drei Monate Kündigungsfrist habe. Ich war überzeugt, dass ich spätestens per Ende Jahr dort weg bin. Das kann ich jetzt vergessen. Wenn ich mich spute, reicht es noch per Ende Januar, und sonst muss ich sogar bis Ende Februar durchhalten. Ich mag nicht daran denken, wie ich diese Zeit noch überstehen sollte. Und wenn ich bis Ende Oktober wirklich kündigen will, dann muss ich mich enorm überwinden. Ausserdem ist ja meine Chefin meistens auf Mandat, bei uns kann man da nicht erwarten, dass der Chef täglich im Büro erreichbar ist. Was will ich damit sagen: dass ich mich nicht traue zu küdigen. Weil ich einfach Angst habe. Und mich verkriechen möchte und nie mehr hervorkommen aus meinem Schneckenloch. Offenbar lebe ich doch noch nicht so, wie ich es gerne hätte.

10.18.09

Erste Ergebnisse…

Veröffentlicht in Antidepressiva, Arbeit, Leben, Selbstwert um 8:32 von francy11

Diese Woche war sehr seltsam. Ich habe das erste mal das Ritalin ausprobiert. Tatsächlich konnte ich mich sehr gut auf das Lesen von Fachliteratur konzentrieren, ohne alle 2 Minuten abzuschweifen. Dennoch, dieser Tunnelblick, den man da anscheinend bekommen soll, so dass man alles andere ausblendet, den hatte ich nicht, und das ist mir noch so recht! Meiner Meinung nach reagierte ich ganz seltsam auf das Medikament. Ich blühte richtig auf, so wie in meinen guten alten Zeiten, schwatzte mit jedem (und das auf Arbeit!!!), wurde etwas übermütig und viel selbstbewusster. Das resultiere darin, dass ein Kollege mich fragte: „was haben sie dir denn heute für Drogen gegeben?“
Ich war irritiert, weil ich diese Art, wie ich war, kannte, und zwar von früher, wo es auch ohne Drogen ging. Heute brauche ich offenbar die Medis, um mich einigermassen selbstbewusst im Arbeitsumfeld zu bewegen. Diese Medis sind für mich also vor allem insofern gut, als ich erkenne, wie ich eigentlich sein könnte (auch in ‘cleanem’ Zustand). Ausserdem ging mir in vielen Bereichen ein Licht auf. Menschen mit ADS verlieren ja kontinuierlich ihr Selbstbewusstsein, weil sie erfahren, dass sie einfach weniger zustande bringen als die anderen. Ich weiss sogar, dass ich intelligent bin – zweifle aber umso mehr an mir, weil ich eben trotz meiner Intelligenz nicht mal ein paar Seiten lesen und mir das Wichtigste von Inhalt merken kann. Nun wurde mir also einiges klar und ich kann vieles neu einordnen und relativieren. Das tut sehr gut. Es gibt mir das Gefühl, dass alles in Ordnung ist und dass ich nicht dümmer bin als die anderen. Wenn ich die gleichen Voraussetzungen hätte wie die anderen (mich z.B gut würde konzentrieren können), dann könnte ich mindestens genauso viel erreichen wie meine Mitmenschen. Wenn Ritalin einen zu dieser Einsicht verhilft, dann hat es seinen Jobs schon mal sehr gut gemacht.

10.14.09

Aller „guten“ Dinge sind Antidepressiva, Ritalin und Arsen

Veröffentlicht in Antidepressiva, Leben, Therapie, zerfleddern tagged , , um 5:24 von francy11

Meine Medikamentenkonsumstory geht weiter. Gestern war ich ja bei meinem anderen Psychiater, der zusätzlich noch Homöopath ist. Er ist schon lange mein Vertrauensarzt. Früher hat er mich immer nur mit Arsen (keine Angst…in homöopathischer Dosis) versorgt, was bei mir jeweils sehr gut angeschlagen hat. Als ich ihm aber nun meine ganze berufliche und private Situation schilderte, meinte er, ich könne es mit Ritalin versuchen. Dies vor allem deshalb, weil meine Beschreibungen über mein Arbeitsverhalten – aber auch einiges aus dem privaten Bereich – deckungsgleich mit ADS (Aufmerksamkeits-Defizit Syndrom ohne Hyperaktivität) sind. Anfangs dachte ich, ich höre nicht richtig. Da ich aber bereits vom Einsatz von Ritalin bei Erwachsenen-ADS gehört hatte, dachte ich sehr schnell mal, wieso ich das eingentlich nicht machen sollte. Um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin normalerweise überhaupt keine Medikamententante. Am liebsten mag ichs ohne…nicht mal bei Kopfschmerzen lange ich zu Aspirin, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist. Inzwischen bin ich aber so weit, dass ich mir sage: wenn ich mit den Medis besser leben kann – was für mich praktisch gleich bedeutend ist mit ‘die Arbeit besser überstehen’ – dann ist es ein Versuch wert. So lange ich noch auf dem Job bin, muss ich einen Weg finden, um nicht vollständig durchzudrehen oder am Ende noch in der psychiatrischen Klinik zu landen, wo ich dann sowieso mit Medikamenten vollgestopft würde.

Das Antidepressivum hat mir schon sehr geholfen. Das einzig negative ist die Müdigkeit, die mir vor allem nach dem Aufwachen sehr zu schaffen macht. Dafür kann ich jetzt für meine Verhältnisse extrem gut einschlafen, was auch nicht zu verachten ist. Das Ritalin habe ich gleich heute ausprobiert. Ich musste eine Eintipp-Arbeit machen, die den ganzen Tag dauerte und die mich schrecklich anödete. Mit dem Ritalin gings tatsächlich gut. Ich kann jetzt trotzdem nicht sagen, ob es wirklich wegen dem Ritalin war oder nicht. All die Geschichten darüber, dass Ritalin so super helfen soll bei Menschen, die sonst immer wieder in Gedanken abschweifen und zerfleddern, wenn sie z.B. eine Arbeit schreiben müssen oder etwas wichtiges vorbereiten, die sind mir noch schleierhaft. Dies müsste mir das Ritalin dann schon noch beweisen. Wenn ich die Steuererklärung nicht eben abgegeben hätte, wäre diese wohl das beste Versuchsobjekt. Es wird stattdessen wohl das nächste Mandat sein, wo ich es mit dem Ritalin wieder versuchen werde.

Wir werden sehen. Wenn es mir hilft, dann bin ich froh und dankbar. Vielleicht habe ich dann die Möglichkeit für eine Weile wie ein normaler Mensch zu leben. Dann schätze ich mich vielleicht sogar mehr, weil ich dann erkenne, was ich (mit meinen Voraussetzungen) alles leiste im Vergleich zu den Menschen, die nicht unter meinen Symptomen leiden.

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