12.30.08

Aufarbeiten der Vergangenheit

Veröffentlicht in Leben, Leben nach Bulimie tagged , , , , um 1:22 von francy11

In letzter Zeit kommen viele Emotionen hoch. Dies hat damit zu tun, dass ich genug Zeit habe, über die Vergangenheit nachzudenken und herauszufinden, was schief gelaufen ist. Es geht mir nicht darum, mich an frühere Erlebnisse zu klammern und dort die Schuld zu suchen. Es geht mir darum, mein in der Vergangenheit entstandenes krankhaftes Denkmuster aufzudecken und so die Vergangenheit endgültig loszulassen, ohne dass sie mich im Hintergrund belastet.

Seltsamerweise gelingt gelingt mir diese Reflektion sehr gut. Ich habe eine gewisse Distanz zu früher, weil ich jetzt arbeite und für mich selbst mehr Verantwortung trage. Meine Studienzeit war für mich sehr schlimm. Aber sie ist nun vorbei und ich stehe ‘im richtigen Leben’. Die letzten Monate waren hart, aber auch sehr lehrreich. Es geht mir jetzt gerade gut, da ich Ferien habe. Ich weiss jedoch, dass es im Januar und Februar nochmals sehr herausfordernd sein wird. Aber es ist auch ein Übungsfeld und ich will mein Bestes geben, dass es gut kommt.

Seit ein paar Tagen versuche ich intensiv, mir klar zu machen, dass ich selbst entscheiden kann, was ich tue und was ich will. Es fällt mir immer wieder auf, wie ich mich nach der Meinung und den Vorgaben anderer Menschen richte. Aber ich will immer wieder neu versuchen, meinen Weg zu gehen. Wie ein kleines Kind, das immer wieder stolpert. Es ist zu hoffen, dass ich nicht wieder so tief falle wie die letzten Monate. Ich werde mich sehr konzentrieren müssen, um nicht aus lauter Selbstzweifeln durchzudrehen. In diesen Ferien habe ich viel gelernt – und ich hoffe fest, dass ich es auch anwenden kann.

Es tut gut, für mich einzustehen und es tut gut, Dinge genau deshalb zu tun, weil sei mir gut tun und nicht weil andere sie wollen. Es ist schön, für mich selbst entscheiden zu können und es schockiert mich immer wieder von Neuem, zu erkennen, wie sehr ich mich nach anderen gerichtet habe bzw. immer noch richte.

12.29.08

Worauf warten?

Veröffentlicht in Leben, Selbstwert tagged , , um 11:33 von francy11

Ein gewisser Herr hat sich per Online-Plattform nach Jahren bei mir gemeldet  und angetönt, er wolle ein bisschen darüber reden bzw. schreiben, wie schön es damals war und darüber, wie schnell und gemein er mich verlassen habe. Nun gut, dachte ich, da bin ich mal gespannt. Ich freute mich sehr darüber, den insgeheim habe ich immer darauf gewartet, dass er mir irgendwann noch eine Erklärung abgibt. Es war wirklich sehr merkwürdig damals, dass er so mir nichts, dir nichts verschwand.

Es folgte also eine E-Mail mit aufgebauschten Worten und vielversprechenden Sätzen..Bei genauerem Hinsehen merkte ich jedoch, dass da weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung dabei war. Nicht, dass es etwas von beidem unbedingt hätte sein müssen. Aber es war auch kein Bekenntnis dabei, dass er ja eigentlich auch Gefühle gehabt hätte, oder dass er eben gar keine Gefühle gehabt hätte. Da war einfach nichts. Er gab nichts von sich selbst preis, rein gar nichts.  Es war eine eher etwas überhebliche, pseudo-mitfühlende Message an mich, die letztlich nur Salz in meine alten Wunden streute. Eine Chance gab ich der ganzen Geschichte dann doch noch. Ich schrieb zurück, und zwar auf eine Weise, von der ich dachte, dass sie bestimmt eine baldige Antwort mit etwas aussagekräftigerem Inhalt auslösen würde. Nichts. Seit bald zwei Wochen nichts. Was soll ich davon halten, bitte schön? Ich bin regelrecht entrüstet!

Ich hatte schon wieder eine kleine Tendenz, daraus den Schluss zu ziehen, dass ich nun also wirklich null wert habe, dass ich es mit den Männern wieder mal überhaupt nicht auf die Reihe bekommen habe, dass ich langweilig bin (weil er lang und breit über sein superspannendes  und superglückliches Leben palavrierte) und dazu noch hässlich und dumm (sonst hätte er mich ja genommen).

Aber irgend etwas wehrt sich nun in mir, so zu denken. Es kann nicht sein, dass so ein arroganter und unsensibler Mensch darüber bestimmen soll wie ich mich fühle und welchen Wert ich mir selbst und meinem Leben gebe. Es gab damals Gründe, warum er nicht wollte. Und vielleicht lagen die ja gar nicht so sehr an mir, sondern insbesondere auch an ihm.. WER WEISS?? (wer das weiss, werden wir nun denn wohl nie herausfinden, weil der gute Mann ja nichts sagen will).

Jedenfalls hat es ihn wohl ärger mitgenommen, als ich dachte, denn er schrieb, dass es ihm noch heute nicht recht ist und dass er immer noch daran denkt (nach 7 Jahren!)..Ich bin sehr sauer darüber, dass er auch jetzt wieder kneift. Aber eigentlich kann ich auch froh sein, dass es nichts wurde mit so einem oberflächlichen Menschen. Er war schön, aber wahrscheinlich auch ein wenig beschränkt.

Es geht mir nun etwas besser, mir tut es gut, gewisse Gedanken und Gefühle zu formulieren. Das hilft mir, Ordnung in meine etwas angeschlagene Seele zu bringen und meinen Standpunkt zu finden. Ich merke, wie viel Wut und Enttäuschung da noch vorhanden ist. Früher habe ich solche Gefühle unterdrückt, aus Angst, von anderen Menschen abgelehnt zu werden.  Ich wollte allen gefallen. Aber dies macht einen langweilig und uninteressant. Erst wenn man seine Meinung hat und dazu stehen kann, wird man zu einem aufregenden Menschen. Dann hat man mehr Freunde, aber auch mehr Feinde – und damit umgehen zu können, das muss gelernt sein.

12.28.08

Einfach so

Veröffentlicht in Familie, Leben um 2:22 von francy11

Heute habe ich einen leichten Kater. Ich war gestern Abend mit einer Freundin aus. Wir wollten eigentlich ein bisschen das Nachtleben der Stadt erkunden, aber es war ziemlich unbefriedigend. Nur wenige Lokale haben nach Mitternacht noch geöffnet, und die Leute dort sind ziemlich reserviert. Ich habe zu viel Alkohol getrunken und gleichzeitig ging es mir nicht so gut. So fühlte ich mich noch viel schlechter und ich habe sehr schlecht geschlafen auf heute. Wahrscheinlich verarbeite ich diese Woche meine vergangenen Liebesgeschichten. Jedenfalls habe ich letzte Nacht vom einer verflossenen Liebe geträumt und diese Nacht von einer anderen. Es waren aber keine angenehmen Träume. Immer ging es darum, dass ich den Kürzeren zog, was ja auch tatsächlich so war.

Ich glaube, diese Träume wollen mir sagen, dass ich noch mehr versuchen muss, zu mir zu stehen und zu mir selbst lieb zu sein. Mich selbst genug wertvoll zu fühlen, dass ich mich gut behandle und mich von keinem Mann dirigieren lasse.

Gestern hat mir die Freundin, mit der ich aus war so ganz nebenbei gesagt, was für ein toller Mensch ich sei. Das fand ich schön. Wir hatten gute Gespräche über unsere Familien. Durch das Gespräch habe ich erkannt, dass meine Eltern sich einfach nicht ändern wollen, dass sie an ihrer Situation nichts ändern wollen und dass es für sie angenehmer ist, wenn sie alles so belassen können wie es ist. Das muss ich akzeptieren. Aber ich muss mich auch abgrenzen und meinen Weg gehen. Ich will mich verändern und will dazulernen. Und so muss ich viele Dinge anders machen, als sie es machen und muss somit andere Wege gehen als sie. Ich wollte die Dinge in meiner Familie immer wieder ändern, weil ich dachte, es wird so besser. Aber der Widerstand meiner Familie ist so gross, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist. Sie wollen nicht. Punkt.

12.27.08

Verzerrte Wahrnehmung und neue Wege

Veröffentlicht in Familie, Leben, Leben nach Bulimie tagged , , , , um 9:01 von francy11

Normalerweise sagt man ja den Essgestörten eine verzerrte Wahrnehmung nach. Doch für einmal bezieht sich der Titel des Eintrags nicht auf mich selbst. Ich bin schon fast ganz raus aus dieser Störung und habe sogar noch Unmengen dazugelernt. Vielleicht habe ich somit sogar noch eine viel feinere und bewusstere Wahrnehmung der Dinge.

Jedenfalls geht es nun um meine Mutter. Ich möchte nochmals die gestrige Familienfeier ansprechen, bei der von Anfang an verdeckte Beschuldigungen, Missverständnisse und allgemein Konflikte die Stimmung negativ beeinflussten. Als ich die Konflikte nicht mehr aushielt, ging ich auf den Balkon eine Zigarette rauchen und meine Mutter folgte mir. Ich sagte ihr, dass ich diese ständigen Provokationen und die Diskussionen nicht aushalte und dass ich es traurig finde, dass ich nicht einfach mal normal miteinander reden könnten. Darauf meinte meine Mutter: „Es wäre ja auch nicht normal, wenn es immer perfekt wäre.“ Ich dachte, ich höre nicht richtig. „Immer perfekt“…davon sind wir Lichtjahre entfernt!!! Deshalb ist es total unpassend von meiner Mutter, diese Formulierung zu wählen. Sie hat ein unglaubliches Talent dafür, Situationen so zu verdrehen, dass sie sich darin einnisten kann, ohne selbst etwas verändern zu müssen. Ich wurde wütend und traurig, aber ich merkte, wie gross der Widerstand ihrerseits war, zu verstehen, was ich meinte. Sie will nicht hinsehen und sie will nicht hinhören und noch weniger will sie etwas verändern. Sie hat eine total verzerrte Wahrnehmung von dem, was in unserer Familie abgeht. Oft sagt sie auch: wir sind halt anders, das musst du auch mal akzeptieren. Ich habe nichts gegen das Anders-Sein, aber ich habe ein Problem mit mangelndem Respekt gegenüber Familienmitgliedern und ich habe ein Problem mit einem Tisch voller schreienden pseudo-politisierenden Männern, wo die Frauen wie eingeschüchterte Hühner stumm ihren Kaffee schürfen und halb ehrfürchtig, halb angewidert ihren Ehemännern zuhören.

ICH KÖNNTE SCHREIEN IN SOLCHEN SITUATIONEN. Aber es bringt nichts. Es wird alles beschönigt und unter den Teppich gekehrt. Ich merke, wie ich immer mehr Probleme habe mit meiner Mutter, weil ich es nicht mehr aushalte, wie sie sich behandeln lässt. Sie sagt mir immer, ich solle mich so akzeptieren, wie ich bin und bla bla, aber sie merkt nicht, wie sie mir seit meiner Kindheit vorgelebt hat, dass man selbst nichts wert ist und dass alle anderen immer Recht haben. Ich habe sie vor ein paar Tagen darauf angesprochen. Ich wollte wissen, ob ihr bewusst ist, wie unsicher und eingeschüchtert sie auf andere wirkt und wie sie selbst sich immer wieder runtermacht. Sie sagte mir, dass ihr das eigentlich nicht bewusst sei. Da hätten wir sie wieder, die verzerrte Wahrnehmung. Meine Mutter nistet sich in ihrem Leben so ein, dass sie gar nichts mehr verändern muss und dass sie von Aussen gar keinen Spiegel mehr vorgesetzt bekommen muss. So merkt sie es nicht mal mehr, wie es um sie steht.

Ich will jetzt nicht mehr länger auf meiner Mutter rumhacken. Es ist ihr Leben und sie hat sich dafür entschieden. Wenn ich etwas verändern will, muss ich es bei mir selbst tun. Doch es half erst mal für mich, dass ich erkannte, wie es um meiner Mutter steht. Unbewusst stellt man seine Eltern ja meist auf ein Podest, auch wenn man das vielleicht nicht mal merkt. So grenzt man sich zu wenig ab und zieht Parallelen wo keine sind, zieht unbewusst falsche Schlüsse und manövriert sich so ins Unglück. Es braucht viel Kraft und Mut, einen anderen Weg zu beschreiten als der Rest der Familie. Man muss neue Spuren bahnen, kann nicht einfach den bereits befahrenen Weg gehen. Und das ist schwerer als man vermuten könnte. Wie schon im vorangehenden Beitrag angetönt braucht es sehr viel Aufmerksamkeit und Bewusstheit, um nicht wieder ins alte Muster zu fallen und konsequent den neuen Weg zu gehen. Ich will es trotzdem wagen.

12.26.08

Dranbleiben

Veröffentlicht in Uncategorized um 10:17 von francy11

Wenn man sich und sein Leben verändern will, ist es wichtig, in jeder Situation wachsam zu sein. Das ist nicht immer einfach. Nur zu schnell fällt man wieder in das alte Muster. Deshalb ist es notwendig, sich immer wieder – am besten jeden Tag – zu fragen, ob man seine Erwartungen erfüllt hat oder nicht.

Ich zum Beispiel arbeite zurzeit daran, mich durchzusetzen, selbstbewusst aufzutreten und mich an meinem eigenen Massstab zu messen. Ich ertappe mich teilweise im Minutentakt, wie ich mich von Anderen selbst heruntermache und mich an ihrem Massstab messe, wie ich mich so verhalte, dass es ihnen möglichst angenehm ist. Heute hatten wir Familienfeier. Und da ich etwas abgenommen habe – etwa 2 Kilo, nicht mehr! – habe ich schon vorher geahnt, dass ich wohl darauf angesprochen würde. Wie erwartet: Zuerst meine Grossmutter: ‘du hast gemagert’, dann mein Grossvater: ‘du hast abgenommen’..Das brachte mich schon mal ordentlich auf die Palme. Also sagte ich ihm, dass er jetzt nicht auch noch damit kommen soll und fragte, ob er denn auch noch was anderes zu bereden habe als mein Gewicht. Darauf verzog er sich in die Küche, wo schon meine Tante wartete und meinte: ja, gell, sie hat abgenommen..da schaltete sich wiederum meine Grossmutter ein und sie diskutierten wie wild zu Dritt über meine Figur. IST DAS NICHT WUNDERBAR?? Also ich finds ganz toll. Und noch toller finde, ic dass ich mich sooo gut  wehren konnte, und der verdammten Harmonie zuliebe darauf nichts einwendete.

Eigentlich könnte es mir ja egal sein, was sie über mein Körperfett zu melden haben, aber es ist mir nicht egal und deshalb hätte ich mich zur Wehr setzen sollen. Aber ich traute mich nicht, weil dann nämlich der Haus-Segen schief hängen würde und nicht die Superharmonie herrschen wüde, die bei uns ja zwar sowieso nicht existiert. Es bleibt mir jedoch nichts anderes übrig, als auf mich selbst sauer zu sein.

12.25.08

Opferrolle

Veröffentlicht in Leben, Leben nach Bulimie tagged , , , , um 7:50 von francy11

Mir fällt auf, dass ich bei schlechter Laune oft andere indirekt beschuldige. Und es sind immer diejenigen, die mir relativ nahe stehen. Ich werde dann launisch und verärgert und nerve mich über diese Mitmenschen, weil sie meine Probleme nicht wahrnehmen und nicht alle möglichen Massahmen ergreifen, um mir zu helfen.

Bei längerem Nachdenken erkenne ich jedoch, dass ich für meine Probleme selbst verantwortlich bin. Mein Job gefällt mir nicht, aber ich habe ihn gewählt und wusste eigentlich, was auf mich zukommt. Ich habe nicht viele Freunde, bin jedoch schüchtern und habe mich zusätzlich jahrelang zurückgezogen. Ich komme oft zu spät, weil ich mich nicht rechtzeitig vorbereite. Ich habe keine Kleider, die mir gefallen, weil ich nicht gerne shoppen gehe. Ich habe nicht die Figur, die ich möchte, weil ich undiszipliniert bin bei Ernährung und Sport. All das habe ich mir selbst zuzuschreiben. Niemand soll dafür verantwortlich gemacht werden, ausser ich selbst.

Immer wieder ertappe ich mich, wie ich mich als Opfer der Umstände sehe. Meine Eltern haben mich nicht genug geliebt und gefördert, meine Freunde kümmern sich nicht um mich, ich habe niemanden, mit dem ich wirklich Spass haben kann. Doch dies alles hat mit meinem Bewusstsein zu tun. Ich selbst habe mit meinem Wesen, meinen Gedanken und meiner Seele diese Situationen angezogen und muss mich jetzt selbst wieder aus dem Schlamm ziehen.

Neue Sichtweise

Ich will mir jetzt darüber bewusst werden, dass ich mir selbst helfen kann. Das Wichtigste ist, die Verantwortung, die ich für mein Leben habe, zu erkennen. Ich bin kein kleines Kind mehr, ich bin erwachsen und muss für mich selbst sorgen.

Sowieso ist mein Leben ja nicht grundsätzlich schlecht. Klar, ich habe bestimmte Dinge erlebt, die mich geprägt haben und an denen ich noch heute leide. Doch die meisten dieser Erlebnisse basieren auf einem Missverständnis. Ich habe als Kind Vieles zu persönlich genommen und daraus geschlossen, dass ich schlecht bin und weniger wert als die anderen. An viele Schlüssel-Situationen kann ich mich noch sehr gut erinnern und ich kann sie jetzt in einem neuen Licht betrachten. Nicht jeder wollte mir an den Kragen oder mich sonstwie verletzen. Ich habe es oft einfach zugelassen, ohne zu hinterfragen. Das war meine Entscheidung.

Vor ein paar Tagen habe ich mir überlegt, was eine gute Freundin von mir wohl aus meiner Situation machen würde. Angenommen, sie hätte meinen Körper, meine Familie, meinen Job und meine Intelligenz. Ich glaube, sie würde sich täglich eine halbe Stunde länger stylen, schönere Kleider kaufen, eine bessere Frisur machen – einfach ein bisschen mehr auf das Äussere achten. Dann würde sie liebevoller sein gegenüber den Familienmitgliedern und das Beste aus dem Job rausholen. Sie würde sich im Arbeitsleben mehr engagieren und würde sich regelmässig mit Freunden treffen und einfach die Welt erkunden. Sie würde ihr Leben geniessen und könnte sich wahrscheinlich sehr gut mit ihren Lebensumständen arrangieren.

Wenn ich meinen Blickwinkel auf diese Weise etwas verändere, erkenne ich, wie viel ich selbst zu meinem Leid beitrage: alles. Natürlich ist sie eine andere Person als ich, hat einen anderen Charakter, andere Ambitionen. Aber ich bewundere sie und eigentlich würde ich ja gerne auch so leben wie sie.

12.24.08

Flirten nach Bulimie

Veröffentlicht in Uncategorized um 11:04 von francy11

Jahrelang konnte ich nicht mehr flirten. Ich fühlte mich nicht wertvoll genug, dachte, die Männer fänden mich eh alle doof oder würden höchstens dann mit mir flirten, wenn gerade keine schlanke Blondine in ihrer Nähe ist.

In den letzten paar Wochen habe ich wieder ein paar scheue Versuche gestartet. Ich habe gemerkt, dass ich es wieder von Grund auf lernen muss. Früher war ich immer beleidigt, wenn sich aus dem Flirt nichts ergab und/oder wenn sich der Typ dann doch plötzlich abwandte. Doch Flirten ist ein Spiel und es kann – und soll manchmal – abrupt enden. Es soll dabei aber weder Gewinner noch Verlierer geben. Beide sollen ihren Spass haben und es einfach locker nehmen.

Heute war ich mit meiner Mutter auswärts essen. In Sichtweite hatte ich zwei Männer. Mit beiden hatte ich Blickkontakt. Der eine schaute plötzlich nicht mehr hin, obwohl er angefangen hatte. Da war ich schon wieder beleidigt. Ich war schon wieder mehr bei ihm als bei mir und nahm die ganze Sache zu ernst. Irgendwann riss ich mich zusammen und konzentrierte mich wieder mehr auf mich und meine Mutter. Später bezahlten er und seine Begleiterinnen und verliessen das Restaurant. Ich dachte schon, das wärs jetzt gewesen. Meine Mutter und ich gingen etwas später dann auch und nahmen den Bus. Als ich aufschaute, sah ich ihm direkt in die Augen. Wir schauten und ein paar mal an. Als meine Mutter und ich aussteigen mussten, verliess ich den Bus, ohne ihn ein letztes Mal anzuschauen. Irgendwie war es nun ausgeglichen und ich glaube, wir hatten beide unseren kleinen Spass.

Solche Situationen passieren mir in letzter Zeit öfter und ich bin sehr dankbar dafür. Ich finde es ein Geschenk, flirten zu dürfen. Man fühlt sich frei und begehrenswert und es macht einfach Freude. Ausserdem liebe ich diese feine Grenze zwischen Realität und Einbildung. Mann weiss nie so genau, ob der andere bewusst mitmacht, oder ob man gewisse Reaktionen des Anderen einfach nur falsch deutet.

Jedenfalls macht es Spass und ich hoffe, bald wieder mal einem hübschen Mann zu begegnen :)

Erfolg

Veröffentlicht in Uncategorized um 10:29 von francy11

Gestern war ich mit einer guten Freundin aus. Sie hat mit mir studiert und vor etwas mehr als einem Jahr ist sie ins Berufsleben eingetreten und hat sich mit ihrer engagierten Art und ihrer praktischen Intelligenz schon ziemlich weit hoch gearbeitet. Sie hatte gestern ein Zwischengespräch und sie wurde nur gelobt. Ihre Leistungen waren ausgezeichnet.

Ich freute mich für sie über diese Nachricht. Jedoch machte es mich auch sehr traurig, weil ich weiss, dass ich zurzeit grösste Mühe hätte, dies zu schaffen. Ich bin unsicher und wirke unsicher..wie soll das denn so gehen? Ich lasse mich schnell entmutigen und somit verliere ich den Glauben an meine Stärken. Dann lass ich die Vorgesetzten – oder egal wer, Hauptsache die Anderen entscheiden und ziehe mich zurück. Ergo – ich fühle mich schlecht und erhalte von aussen den Beweis, dass ich auch wirklich schlecht bin.

Zumindest durchschaue ich mittlerweile diese Mechanismen und kann daran arbeiten. Am meisten muss ich meine Selbstsicherheit stärken. Das ist ein relativ schwammiges Wort, und um wirklich etwas zu erreichen muss ich es zerstückeln in brauchbare Einzelteile:

Das Wichtigste Puzzleteil ist, für mich selbst und meine Taten einzustehen, sie zu akzeptieren und an mir selbst zu messen, an meinem eigenen Massstab und nicht demjenigen der Anderen. Es geht darum, dass ich auch mich selbst vertrauen kann, dass ich mich an mir selbst orientiere. Es geht auch darum, dass ich mich darüber freuen kann, dass ich bin, wie ich bin, dass ich mich über meinen Massstab freuen kann.

Ein anderer wichtiger Punkt ist der Umgang mit dem Scheitern. Ich denke, das ist das was erfolgreiche Menschen von weniger erfolgreichen unterscheidet: nach Niederlagen erhobenen Hauptes weiter zu gehen, mit negativer Kritik umgehen zu können. Kurz: eine Dicke Haut zu haben. Für niemanden ist es einfach, ein erfolgreiches Leben zu führen, auch Menschen, die schon sehr viel erreicht haben berichten über Niederlagen, Neid und Missgunst, scheinbar unüberwindbare Hürden. Doch sie haben es geschafft, nicht daran zu verzweifeln und immer wieder für sich selbst einzustehen. Das ist das, was ich auch versuchen will. Es gibt wieder mal nur zwei Wege: einen nach oben und einen nach unten. Ich will nach oben. Punkt.

Geniessen

Veröffentlicht in Uncategorized um 10:15 von francy11

Ich habe noch nie in meinem Leben Ferien so intensiv genossen wie diese. Von der Arbeit bin ich sehr ausgelaugt und anfangs hätte ich jeweils den ganzen Tag schlafen können. Doch es geht schon besser. Auf heute habe ich 12 Stunden geschlafen und jetzt fühle ich mich so richtig wohlig.

Heute werde ich noch einkaufen gehen, was für mich immer eine grosse Hürde ist. In der Menschenmasse kriege ich oft richtige Aggressionen, meine Augen werden müde und ich meine oft, ich falle gleich ohnmächtig um. Aber auch hier heisst die Devise, sich nicht allzu viel vorzunehmen. Um mich darauf vorzubereiten, werde ich zuerst eine halbe Stunde in den Wald spazieren gehen, dann kommt das Shopping und am Schluss gönne ich mir noch eine gemütliche Kaffepause in einem Restaurant am Fluss. Das wird mir gut tun und mich wieder stärken.

12.23.08

Verpasste Zeit, verpasstes Leben

Veröffentlicht in Leben um 12:05 von francy11

Verpasste Zeit, verpasstes Leben…Jetzt will ich trotzdem wieder nach vorn schauen.

Erst jetzt, wo ich zumindest äusserlich wieder fast gesund bin – die Bulimie hält sich mittlerweile sehr in Grenzen – wird mir bewusst, was ich alles verpasst habe in diesen Jahren. Mit ca. 18 wurde ich so richtig ‘krank’ (vorher war ich wenigstens gesellschaftlich noch gut integriert) und erst vor etwa einem halben Jahr hörte es richtig auf. Das sind 10 verschwendete Jahre. In diesen Jahren habe ich nur sehr eingeschränkt am Leben teilgenommen, mein Hirn habe ich kaum mehr beansprucht und mit meinem Körper habe ich starke Misswirtschaft betrieben. Ich habe soziale Kontakte gemieden und auch am Familienleben nicht mehr teilgenommen.

Dies blieb leider nicht ohne schwerwiegende Folgen. Meine Zähne sind gelb und abegenutzt, mein Körper ist schwach und anfällig für Krankheiten. Ich bin seelisch instabil (was ich zwar schon vorher war, sonst hätt ich wohl gar keine Bulimie gehabt). Ausserdem bin ich sehr vergesslich und mir fehlt viel Wissen über alltägliche Dinge, mit denen ich mich einfach nicht auseinander setzten wollte. Das fängt bei Regelungen über die Krankenkasse an und geht bis zu Politik und Wissen über das Weltgeschehen. Klar, man muss nicht alles wissen, aber manchmal stehe ich sehr blöd da, wenn ich ganz grundlegende Dinge nicht mehr weiss. Und das tut verdammt weh. Vielleicht nicht mal so sehr, weil ich es nicht weiss, sonder vielmehr, weil es mir wieder bewusst macht, was ich mir die letzten Jahre angetan habe.

Es ist zwar manchmal auch schön, wenn ich erkenne, wie viel weiter ich gekommen bin und wie viel ich schon überwunden habe, trotzdem hab ich noch viel zu verarbeiten und dieser Prozess verlangt mir immer wieder viele Tränen ab. Es gibt viele Momente der Trauer. Dann muss ich wieder einen Gang zurückschalten und mir Zeit geben, mir zugestehen, dass ich auch mal etwas langsamer sein darf als andere, weil ich einen viel weiteren Weg zurückgelegt habe. Ich kann manchmal einfach nicht so viel leisten wie jemand anderes – aber vielleicht hat es mich für gewisse Dinge auch robuster gemacht und so bin ich vielleicht in einigen Bereichen sogar belastbarer. Für irgend etwas muss es ja auch gut gewesen sein.

Ich will nichts beschönigen (nichts läge mir ferner). Der lange Weg, den ich ging war definitiv ein Umweg, ich hätte es besser machen können, ich hätte den direkten Weg gehen können. Doch ich hatte mich damals anders entschieden. Ich wollte es ausprobieren und dachte, ich tue das Richtige, ich wollte immer weiter gehen und obwohl ich immer wieder gebremst wurde, ging ich weiter. Die Wege wurden immer verschlungener, ich verlor das Ziel und sogar mich selbst immer mehr aus den Augen. Ich wusste nicht mehr wo ich war und konnte mich somit auch nicht mehr orientieren.

Heute weiss ich besser wo ich bin und ein bisschen besser, wo ich hin will. Ich weiss relativ gut, wo meine Grenzen sind, was ich kann und was ich nicht kann. Es gibt immer noch sehr, sehr viel, das ich lernen muss, aber ich will heute mal anerkennen, dass ich schon sehr viel zu meiner Heilung beigetragen habe.

Ich danke allen Menschen, die mich auf meinem Weg zur Genesung bis zu diesem Zeitpunkt unterstützt haben. Ein paar Wenige haben mir die Augen geöffnet und die richtige Mischung von Ehrlichkeit und Mitgefühl gefunden, so dass ich ihre Worte annehmen konnte.

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