06.20.09
Was ein über zweistündiges Telefongespräch alles bewirken kann:
- zum Beispiel, dass es einem einfach wieder besser geht
- dass man wieder Boden unter den Füssen kriegt
- dass man merkt, dass man nicht alleine ist
- dass einem das Leben wieder etwas schöner vorkommt
- dass man Ängste verliert
- dass man merkt, dass man ernst genommen wird
- dass man wieder lachen kann
- dass das Leben wieder heller wird
Warum kommt es mir nicht in den Sinn, von selbst zum Hörer zu greifen, wenn es mir schlecht geht? Egal, ich wurde angerufen und es tat verdammt gut.
Innere Leere
Die letzten Tage waren nicht lustig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war mies drauf, richtig ‘grantig’, wie wir bei uns sagen. Meine Mitbewohnerin tat mir angesichts meiner knappen ‘hallos’ und ‘tschüss’ – was dann auch das einzige war, das ihr sagte – richtig leid. Aber ich konnte nicht anders. Ich fühlte mich in meinem Elend gefangen und sah keinen Weg, irgend etwas zu verändern.
Meine Laune verschlechterte sich proportional zum Verlauf der mich verfolgenden Pechsträhne. Zum Geldklau und den Kratzern am Auto (und vielen anderen üblen Kleinigkeiten, die ich jetzt nicht alle aufzählen will) kam noch die Geschichte mit der weissen (bzw. nicht mehr weissen) Bluse dazu:
Am Donnerstag hatten wir einen geschäftlichen Event, bei dem ich als Bardame eingesetzt wurde und die Anweisung hatte, eine weisse Bluse zu tragen. Der Event begann erst am Nachmittag. Die weisse Bluse ging ich über Mittag kaufen (ich habe aus guten Gründen bis dahin keine WEISSE Bluse gehabt). Ich zog sie noch nicht an, da ich dachte, weiss ist heikel, erst recht bei MIR. Ich machte noch Spässe über diejenigen, die ihre weissen Hemden schon seit dem Morgen trugen, so wegen verschmutzen und so. Als es soweit war und ich mich umziehen wollte kam der Schock: In der Tasche, in der sich meine Bluse befand, sah ich ein paar Coca Cola-Tröpfchen. Kein Ding, dachte ich, kramte die Bluse hervor und dann sah ich das ganze Debakel. Die Bluse war total mit Cola getränkt. Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte. Ich hatte zwar eine, zwei Stunden davor eine Cola getrunken, aber von verschütten oder so hatte ich nichts bemerkt.
Ich war verzweifelt und frustriert. Nicht weil ich die Bluse nicht anziehen konnte (ich hatte ein weisses T-Shirt als Ersatz dabei), sondern weil es so offensichtlich war, dass da etwas ganz im Argen war. Die Cola musste sich wirklich Mühe geben, den Weg in die Tasche zu finden. Ich fühlte mich verarscht. Verarscht vom Leben. Scheisse.
Den Tränen nahe ging ich zur Sekretärin, die immer ein offenes Ohr für mich hat und berichtete mein Leid. Sie meinte, ich solle es als Zeichen sehen, dass ich etwas ändern muss. Sie hatte Recht. Ich wusste ja eigentlich, dass mein Leben so, wie es jetzt war, nicht weitergehen konnte. Nur – wie es halt so ist – hatte ich keine Ahnung, WAS ich denn genau wieder mal falsch mache. Und ich weiss es auch jetzt noch nicht.
Ich weiss nur, dass sich meine Scheisslaune immer noch nicht gebessert hat. Im Moment liege ich miesepetrig im Bett, währenddessen es draussen bestes Wetter ist und ich mein Leben eigentlich geniessen könnte. Aber ich weiss nicht wie. Ich liege so da und ich fühle keine Freude und keinen Mut. Nur eine dumpfe, müde Verzweiflung. Ich weiss, dass es so nicht weitergehen kann. Ich muss etwas ändern. Werde mir jetzt noch einen Kaffee genehmigen und dann eine Runde EFT machen. Hat mir gestern schon ein wenig geholfen.
06.15.09
Erschöpfung
Aus aktuellem Anlass muss ich das leidige Thema wieder aufgreifen. Ich versuche seit einiger Zeit, meine Schlaf-Hilfsmittel-Phase zu beenden und mich wieder dem natürlich Schlaf anzunähern. Es bekommt mir sehr gut – vorausgesetzt, ich schlafe genug. Über die Woche bin ich dazu geneigt, zu wenig zu schlafen, was ich dann an den Wochenenden ausgleichen sollte. Vergangenes Wochenende konnte ich das nicht. Mehr als 8 Stunden Schlaf lagen nicht drin. Am Sonntagabend ging ich dann erst nach Mitternacht zu Bett und heute morgen wachte ich total erschöpft und lädiert nach 6 Stunden Schlaf auf.
Als ich zur Arbeit fahren wollte, rammte ich einen Metall-Container und verpasste meinem Auto ein paar weitere nicht zu übersehende Kratzer. Danke. Super. Nur ein weiteres Ereignis auf meiner Pechsträhne. Danke hiermit auch dem Dieb, der mich letzten Freitag um 900 Franken erleichterte. Ich konnte das Geld ja eh nicht gebrauchen. Und danke auch der Packung meines Weichspülers, die beschloss, einen Riss zu haben und den Inhalt über Nacht über die Waschmaschine und den Boden zu verteilen. So was macht richtig viel Spass und Freude.
Egal, man soll ja nach vorne schauen. Ich fuhr also mit verkratztem Auto und neuem Mut zur Arbeit. Dort fand ich in meiner Verwirrung knapp den Weg zu meinem Arbeitsplatz. Ich nahm ein Buch und meine Notizen hervor und wolle zu lernen beginnen. Keine Chance. Das, was ich mir letzte Woche mühsam angeeignet hatte, verstand ich überhaupt nicht mehr. Mein Hirn sprang nicht an. Meine Augen verweilten für Ewigkeiten auf dem gleichen Abschnitt. Verständnislosigkeit. Also nix mit Lernen. Den Rest des Vormittags verbrachte ich mit Internetsurfen. Und nach dem Mittag beschloss ich, dass es keinen Wert hat und ging missmutig nach Hause. Ich schlief sofort ein und döste bis am frühen Abend vor mich hin. Es war herrlich, aber auch erschreckend. So was war mir noch nie passiert. Mit 6 Stunden Schlaf war ich zwar noch nie auf meiner Höhe, aber so was hatte ich wirklich noch nie erlebt.
Jetzt ist schon wieder bald halb elf und ich wollte doch heute früh zu Bett. Leider bin ich immer noch eher ein Nacht- als ein Morgenmensch. Aber schlimmer als heute kann es (hoffentlich) nicht werden. Sonst muss ich mir bald ein neues Auto kaufen. Autsch.
06.07.09
Katerstimmung
Gestern war ich wieder mal so richtig feiern. Eine Freundin von mir hatte ihren Cousin aus der Ostschweiz zu Besuch. Ich kenne ihn nun schon etwas, da ich ihn mit meiner Freundin schon zwei mal besuchen ging. Zuerst gingen wir essen, da waren noch eine Tante der beiden und deren Tochter dabei. Wir plauderten ein bisschen über Alltägliches, es waren angenehme, leichte Gespräche. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich mitten in einem Familientisch sass. Die anderen sind alle verwandt miteinander und ich war die einzige ‘Bekannte’. Ich freute mich darüber, denn ich mag es, vertieften Einblick in eine Familie zu erhalten und noch mehr mag ich, wenn ich spüre, dass mich alle Familienmitglieder wirklich mögen und mich an den vielleicht auch etwas persönlichen familienbezogenen Gesprächen teilhaben lassen. Ausserdem tat es einfach wieder mal gut, locker zu plaudern, ohne Gedanken an das Gestern oder das Morgen. Ich fühlte mich frei und unbeschwert.
Trotzdem musste ich hart darauf hinarbeiten, einen solchen Abend beschwingt geniessen zu können. Am Nachmittag des selben Tages schützte ich mich energetisch und bereitete mich darauf vor. Ich stellte somit sicher, dass ich mich durch nichts, was an dem Abend passiert, aus dem Gleichgewicht bringen lassen würde. Genau dieses Thema hatte ich zuvor mit meinem Therapeuten besprochen. Ich wollte alles dafür tun, dass ich nach einem geselligen Abend ohne mich zu verheddern und verzetteln nach Hause gehen kann. Sprich: ohne dass ich danach wieder einen Bulimieanfall habe, weil ich durch das Gefühlswirrwarr, das sich aufgrund der tausenden von Eindrücken zusammenbraute nicht mehr weiss, wo oben und unten ist. Ich nahm mir vor, keine überstürzten Aussagen zu machen, jede Frage, die mir gestellt werden würde, vorsichtig zu beantworten und mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Lieber ein bisschen zurückhaltender sein, dachte ich, anstatt zu laut, zu viel und zu schnell zu sprechen und mich danach wieder zu verurteilen.
Jetzt im Nachhinein erkenne ich, dass mir das alles sehr gut gelang. Es ist noch nicht perfekt, aber ich bin ja auch noch daran am Arbeiten. Eine kleine Situation während dem Abendessen gab es jedoch, bei der ich total doof reagierte. Es ging um dem Cousin meiner Freundin und um eine seiner Liebschaften. Ich weiss nicht mehr genau warum, aber ich reagierte einfach total beschissen, hätte die Situation gerne mit etwas Humor gerettet, jedoch wurde es immer schlimmer. Ich glaube, meine Freundin war total schockiert und allen war die Situation total unangenehm. Natürlich hätte ich danach im Boden versinken können. Am liebsten hätte ich mir ein Loch geschaufelt und wäre für immer darin verschwunden. Ich weiss nicht, warum ich so bescheuert reagiert hatte, es entsprach nicht mal im Geringsten dem, was ich eigentlich hätte sagen oder ausdrücken wollen. Ich ritt mich selbst immer mehr in das Elend, keine Ahnung warum. Vielleicht, um mich selbst zu bestrafen und mir selbst und anderen bescheuerterweise zu beweisen, wie blöd ich manchmal sein kann. Bei mir ist halt einfach noch zusätzlich das Problem, dass ich nicht so schlagfertig bin. Und wenn es peinlich wird, fällt mir sowieso überhaupt gar nichts mehr ein, dass die Situation retten würde. Aber egal, da muss ich jetzt durch. Die anderen haben die Situation sicher schon fast vergessen.
Später, nach dem Abendessen, zogen meine Freundin, ihr Cousin und ich dann noch alleine weiter. Zuerst gings in einen Club, der Pseudo-schicki-micki-mässig aufgezogen ist. Die Leute waren eher peinlich und wirklich Party hatte niemand, obwohl die Tanzfläche fast voll war. Jeder versuchte krampfhaft, sich gut darzustellen. Dennoch hatten wir unseren Spass, tranken ein paar Bier und witzelten ein bisschen. Ich weiss nicht mehr, wie lange wir dort waren und warum wir dann weiter zogen. Jedenfalls gings dann weiter in ein lokal, das sich in einem Altstadt-Keller befindet. Ist von den Gästen her eher auf alternativ-intellektuell-cool gemacht. Es war ziemlich leer und auf der Tanzfläche waren nur ein paar Freaks. Der DJ legte Folkore-Musik auf, etwas ganz Schräges. Irgendwann stürzten wir uns dann auch ins Tanzgetümmel und zuckten zu der Volksmusik herum wie Kinder. Wir hatten es einfach nur lustig und waren total gut drauf. Wieder tranken wir ein paar Bierchen. Leider verlor ich den Sinn für ‘zu viel’ Alkohol relativ schnell und trank immer weiter.
Am Ende gingen wir noch in einen sehr berüchtigten Schuppen, der sich im gleichen Haus die die Notschlafstelle befindet. Schon mal sehr bezeichnend…Das Publikum sind eher die Schläger-Typen und Koksnasen. Aber es war uns egal, es ist praktisch die einzige Location, die um diese Uhrzeit – es war inzwischen gegen vier Uhr – noch offen hat. Dort tranken wir weiter, bis mir irgendwann so übel war, dass ich mich nicht mehr bewegen wollte. Von weitertrinken keine Spur – auch nicht Wasser oder Cola. Ich frage mich schon damals, warum ich wieder mal so dumm sein konnte, so viel zu trinken. Ausserdem machte ich in diesem Zustand wieder Dinge, die ich eigentlich gar nicht wollte. So hatte ich viel Körperkontakt mit dem Cousin meiner Freundin…leider – oder zum Glück – kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, wie oft wir uns umarmten oder an den Händen hielten. Ich will es eigentlich auch nicht wissen und wäre froh, wenn es nicht passiert wäre. Nicht, dass ich es schlimm finde, aber ich hätte es nüchtern auch nicht getan, es passte also eigentlich gar nicht. Schon komisch. Aber es war auch er, der immer wieder auf mich zukam und mich umarmte oder sonst berührte – glaube ich und hoffe ich jedenfalls.
Es könnte aber auch sein, dass es hauptsächlich von mir aus kam, weil ich mich momentan sehr, sehr nach Körperkontakt sehne. Ich möchte wieder mal einen Mann haben, schon nur wegen der körperlichen Nähe. Trotzdem würde ich im nüchternen Zustand sehr penibel auswählen, wen ich an mich ran lasse. Wenn ich alkoholisiert bin, verschwimmen diese Grenzen und ich werde sehr grosszügig. Früher war es krass, inzwischen habe ich das gut im Griff, trotz Alkrausch schaltet sich die innere Vernunft ein. Sie schlägt dann Alarm, so dass ich mir bewusst werde, dass ich berauscht bin und Dinge tun möchte, die ich eigentlich gar nicht will. Dann kann ich entgegensteuern und es einfach sein lassen. Man sagt zwar, dass man unter Alkoholeinfluss Dinge tut, die man unbewusst gerne möchte. Dies trifft bei mir leider überhaupt nicht zu. Ich kann mir Männer schön trinken,finde Dinge gut, die ich eigentlich gar nicht gut finde etc….das kann dann am nächsten Tag einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Gestern habe ich die Grenze wieder etwas überschritten. Ich hätte früher mit dem Bier aufhören sollen und ich hätte unseren Begleiter nicht anfassen dürfen. Nicht weil es schlimm gewesen wäre, aber weil es für mich nicht stimmte.
Egal, ich muss jetzt daraus lernen und ich will es das nächste mal besser machen. Hoffe, dass mir dies gelingt.
Ach ja: den heutigen Tag habe ich mit dem Kopf über der WC-Schüssel verbracht. und mit ein paar Tabletten Aspirin. Bier sei dank.