08.30.09

Herbst

Veröffentlicht in Arbeit tagged , , , , , , um 6:42 von francy11

Der Sommer geht langsam zu Ende. Gestern Nachmittag fühlte ich, dass es nicht mehr die Luft und das Licht des Sommers sind, die sich über die Stadt ausbreiten. Der Herbst schickte seinen ersten Gruss. Dieser Moment, in dem ich das erste mal fühle, dass es Herbst wird, ist für mich jedes Jahr etwas ganz Spezielles. In mir breitet sich dann jeweils eine ganz besondere Melancholie aus. Doch Traurigkeit und Freude halten sich die Waage. Oder etwas treffender ausgedrückt: ich erfreue mich an der sich ausbreitenden Traurigkeit und fühle mich wohl und geborgen. Ich liebe es, wenn ein kühler Wind um den Körper streicht und die Sonne in ihrem goldenen Licht strahlt. Die Luft fühlt sich klar und rein an und in ihr liegt neue Hoffnung. Gleichzeitig fühlt es sich an, als ob diese Jahreszeit einen ermuntert, inne zu halten und zurück zu blicken auf das was man erlebt und erreicht hat und als ob sie gleichzeitig fordert, die letzten Kräfte zu bündeln für das, was man bis zum folgenden Frühjahr noch erreichen möchte.

An diesem schönen Wochenende mit dem Hauch Herbst, das es nach sich zog, machte mir die Einsamkeit nichts aus, im Gegenteil, ich genoss sie sogar und fühlte mich mit dem Rest der Welt trotzdem verbunden. Heute Nachmittag war im kleinen Park unseres Quartiers. Der Tag war unglaublich ruhig. Ein paar Pärchen mit und ein paar ohne Kinder lagen auf ihren ausgebreiteten Decken oder spielten Federball. Ich sass mit meiner Zeitung unter einem Baum und schaute ihnen ein wenig zu, rauchte ein paar Zigaretten und war sehr nachdenklich. Unerwartet kamen mir die Tränen. Es kommt nur selten vor, dass ich weinen muss ohne gleichzeitig den Grund zu kennen, und heute war es wieder mal soweit. Ich fand mich in dem Moment ein wenig ein Weichei, ausserdem wusste ich, dass ich mir selbst nicht helfen kann, wenn ich nicht mal weiss, warum ich weine. Also steckte ich die Tränen ganz rational weg. Das tat irgendwie sehr gut.

Was mir noch weiter auffällt zu dieser Zeit: es ist da eine seltsame Stille in mir, von der ich nicht weiss, worin sie gründet. Mir wäre sie vielleicht gar nicht so aufgefallen, denn meine Woche war sehr aktiv und unter Leuten und auf Arbeit fühlte ich mich wohl. Doch seit ein paar Tagen bin ich zu Hause sehr ruhig und in unsere sonst so laute und lustige WG ist eine seltsame Stille eingekehrt. Ich nehme schweigend meine Mahlzeiten ein, giesse schweigend die Blumen, räume schweigend auf, bereite mich schweigend fürs Ausgehen vor. Meine Mitbewohnerin versteht wohl die Welt nicht mehr und sie fragte mich bereits, ob alles in Ordnung sei. Ich mag mich nicht erklären und eigentlich wüsste ich ja auch gar nicht, was es zu erklären gäbe. Ich bin einfach still, das ist alles.

Es hat sicher auch mit meiner aktuellen Situation zu tun: mein unbezahlter Urlaub hat angefangen. Nicht, dass ich mich darüber nicht freuen würde. Doch ein Urlaub liesse sich besser geniessen, wenn danach wieder eine Arbeit auf mich warten würde, die mir wirklich Freude bereitet. Dem ist natürlich nicht der Fall. So sollte ich die freie Zeit nutzen, um eine Stelle zu suchen, die mir mehr entspricht und mich nicht so sehr überfordert. Doch genau dazu habe ich keine Lust bzw. bin einfach zu blockiert, aus Angst, vom Regen in die Traufe zu kommen. Doch ich habe eine Idee, mich selbst zu überlisten: Ich mache mir einen Plan, wann ich was und wie lange erledige. Z.B. zwei Stunden am Tag x für Stellensuche und Bewerbungen. Den Rest der Zeit darf ich dann tun und lassen was ich will. Solche Überlistungstaktiken haben bei mir noch immer sehr gut gewirkt. Ausserdem habe ich mir vorgenommen, regelmässig morgens joggen zu gehen. Dann habe ich bereits am Morgen etwas erledigt und bin schon in die Gänge gekommen. Dies habe ich vor einem Jahr als ich auf Stellensuche war so gemacht und das hat mich oft gerettet.
Natürlich soll auch der Spass nicht zu kurz kommen, schliesslich ist es ja Urlaub und ich bin nicht arbeitslos. Doch wie dieser Spass genau aussehen soll, das muss ich mir noch reiflich überlegen, ansonsten sind die Wochen durch, bevor sie überhaupt richtig angefangen haben.

08.27.09

Ein Abend in Bern

Veröffentlicht in Uncategorized um 10:18 von francy11

Die Woche ist bisher wirklich gut verlaufen, ich kann mich nicht beklagen. Auf Mandat ging alles eingermassen passabel über die Bühne und meine ehemalige Arbeits-Erzfeindin mutiert schon fast zur besten Freundin (sehr übertrieben ausgedrückt zwar, aber es hat schon was). Es ist ausserdem ein ganz neues Gefühl, unbeschwert zur Arbeit zu gehen und mir nicht jeden Abend den Kopf zu zerbrechen, wie ich den nächsten Tag arbeitstechnisch überstehen werde. Ich kannte das seit Beginn meiner jetzigen Stelle nie. Es verging kein Abend, an dem ich mir nicht grösste Sorgen machte, weil der neue Tag schon vor der Tür stand und ich grösste Panik davor hatte.

Die Woche war vollgestopft mit Terminen: am Montag Abend Tanzkurs, am Dienstag Geschäftsausflug mit viel Alkohol, am Mittwoch Bier-und Grill-Abend bei meinen 2 lieben ehemaligen Studentenheim-Kollegen. Eigentlich hätte ich Malkurs gehabt, aber man kann ja nicht so sein…

Und am Donnerstag, also heute, ein Treffen in Bern mit einer „Blog-Bekanntschaft“. Es ist schon fast selbstverständlich, dass ich dem Abend einen kleinen Eintrag widme und zwar sofort. Jetzt, gleich nachdem ich nach Hause gekommen bin. Es ist schon speziell, wenn man jemanden trifft, den man buchstäblich nur vom schreiben kennt. Im Gespräch kann man sogleich wesentliche Dinge ansprechen. Auch wenn man sich vorher noch nie gesehen hat, kann man fragen: „Wie ist denn dies und das noch verlaufen“, etc. Vermischt mit ein bisschen Smalltalk ergibt sich so ein ganz interessanter Gesprächsstoff, jenseits von dem, wie man es sonst kennt. Die Themen natürlich schon, aber nicht das ganze Drumherum. Für mich war es jedenfalls ein sehr gelungener Abend und ich habe mich sehr über den ‘Besuch’ gefreut. Es hat was seltsam Un-anonymes mitten im pseudo-anonymen Internet-Dschungel und es ist schön, wenn man auf Menschen trifft, die genau so normal-un-normal (genauso meine ich es) sind wie man selbst und mit denen man genauso gute Gespräche führen kann, wie mit Menschen, die man schon lange kennt. Ein grosses Dankeschön hiermit also an die nette Begleitung.

Ich werde jetzt jedenfalls friedlich schlafen können und morgen meinen letzten Arbeitstag vor meinen grossen Ferien sicher noch gut über die Bühne bringen. Gute Nacht allerseits!

08.22.09

Erschöpfung zum dritten

Veröffentlicht in Leben tagged , , , um 8:48 von francy11

Diese Woche war noch anstrengender als die letzte. Dennoch hätte ich von Donnerstag auf Freitag und von Freitag auf heute mein Schlafmanko eigentlich beheben können. Ich habe nicht ausserordentlich viel geschlafen, aber genug.

Und trotzdem war ich heute wieder einmal total erschöpft. Hätte ich mich nicht mit einer Freundin zum Mittagessen getroffen, wäre ich wohl den ganzen Tag im Bett geblieben. Nach dem Mittagessen ging ich jedoch gleich wieder nach Hause und legte mich hin. Eigentlich hätte ich noch zwei, drei Dinge in der Stadt besorgen müssen, die ich nächste Woche unbedingt brauche. Aber ich war einfach zu müde. Ich hatte vor lauter Müdigkeit tränende Augen. Ich hasse diese Müdigkeit. Sie ist bleiern, umfasst den ganzen Körper und ist nicht mal mit Schlaf wegzubringen. Sie nimmt mir den ganzen Spass am Wochenende. Sie nimmt mir die Möglichkeit, am Samstag verpasstes nachzuholen und zu tun, was mir wirklich gefällt.
Manchmal sehe samstags kaum aus den Augen. Sie sind dann schwer und verquollen, tränen ständig. Ich bin dann so müde, dass ich mich nicht mal an einen Tisch setzen kann, sondern mich hinlegen muss.

Diese Geschichte bringt noch weitere Unannehmlichkeiten mit sich. Z.B. eine grosse Einsamkeit. Wenn mich jemand fragt, ob ich am Wochenende etwas unternehmen möchte, sage ich aus lauter Angst vor Erschöpfung ab. Und wenn ich bereits verabredet bin, muss ich oft kurzfristig absagen. So bin ich dann an den Wochenenden – d.h.von Freitag Abend durchgehend bis am Montag Morgen – meist alleine in meinem Zimmer und ziehe die Decke über den Kopf. Einerseits bin ich dann froh, nicht ausgehen zu ‘müssen’, andererseits fühle ich mich auf diese Weise sehr stark vom pulsierenden Leben ausgeschlossen. Ich verbringe meine Wochenenden zu Hause im Bett. Wie toll ist das denn.

Ich hätte natürlich schon Lust, raus zu gehen, aber die Erschöpfung ist so stark, dass ich einfach nicht raus gehen kann. Auch zu meinen Eltern kann ich nicht gehen, wiel die Autofahrt zu lang ist und ich fürchte, aus lauter Müdigkeit einen Unfall zu bauen oder die Nerven zu verlieren.

Zurzeit fühle ich mich sehr, sehr (!) allein. Ich frage mich, wie die anderen es schaffen, immer jemanden zu haben, mit dem sie ausgehen und Spass haben können. Ich frage mich, wie man so viele Freunde haben kann, die alle die gleichen Interessen haben. Ich frage mich, was ich falsch mache, dass ich immer alleine dasitze, dass sich niemand bei mir meldet. Ich bin auf dem Abstellgleis und komme nur dann zum Zug, wenn gerade niemand anderes verfügbar ist. Ansonsten meldet sich niemand bei mir. Niemand will mit mir brunchen, niemand mit mir ausgehen, niemand mit mir ins Kino. Natürlich könnte man sagen, ICH könnte mich ja auch mal melden bei den anderen. Doch dies habe ich aufgegeben. Die Unzähligen Körbe, die ich einstecken musste waren mir genug. Irgendwann war die Grenze des Ertragbaren erreicht. Ich werde niemanden mehr für irgendwas anfragen, es sei denn, es sei wirklich notwendig.

Ich frage mich ausserdem, wie die anderen es schaffen, ihr vollbepacktes Wochenendprogramm knallhart durchzuziehen.. Brunchen hier, Grillfest da, Familienfeier dort, Konzerte, Parties, Shopping, Trip nach Italien, Tour durch die Alpen, Kanufahrt auf der Aare, Biken, Laufen und so weiter. Ich kann froh sein, wenn ich es samstags aus dem Bett schaffe. Für viel mehr reicht meine Energie leider nicht.

Gute Nacht, ich muss schlafen.

08.16.09

Erschöpfung – einmal mehr

Veröffentlicht in Leben tagged , , um 8:16 von francy11

Diese Woche war sehr anstrengend. Ich war auf Mandat unterwegs und arbeitete sehr viel. Gleichzeitig ging ich immer sehr spät zu Bett und so sammelte sich ein grosses Schlafmanko an. Umso mehr freute ich mich aufs Wochenende. Ich hatte für Freitag einen gemütlichen Abend geplant. Für Samstag einen Stadtbummel mit anschliessender Fahrt zu meinen Eltern und dann für den Abend eine erste Einstimmung auf die Fasnacht (jawohl, schon jetzt, mitten im Sommer) mit den Fasnachtsleuten meines Heimatdorfes.

Leider war am Ende nichts von alldem übrig: Den Freitagabend verbrachte ich im Büro, am Samstag war ich der massen erschöpft, dass ich den ganzen Tag schlafend im Bett verbringen musste und heute hatte ich so Kopfschmerzen und war immer noch so müde, dass noch einmal den Tag im Bett verbrachte.

Es wäre genial schönes Wetter gewesen – mit traumhaften, fast schon tropischen Temparaturen und ich hatte mich so auf ein tolles und akives Wochenende gefreut. Und nun das…verarschung pur. Die Erschöpfung ist leider auch auf mein PMS (klingt wahnsinnig grauselig, ich weiss) zurückzuführen. Ich habe festgestellt, dass ich einmal pro Monat, genau zum gleichen Zeitpunkt 2 Tage lang flach liege. Das ist beschissen und beschissen ungerecht. Ich hasse es. Aber eigentlich bin ich zu müde, um mich aufzuregen und überhaupt zu müde um zu schreiben, deshalb sage ich jetzt tschüss und wünsche allen eine gute Woche

08.09.09

Erste Bilanz

Veröffentlicht in Freundschaft tagged , , , , um 11:56 von francy11

Seit der im vorherigen Eintrag beschriebenen Therapiesitzung bin ich bezüglich des Themas Wut sehr aufmerksam. Ich versuche, in möglichst vielen Situationen zu sagen, wenn ich nicht einverstanden bin. Sei es mit einer Meinung, mit einem Verhalten oder mit einer Abmachung. Immer mehr erkenne ich, wie viele Situationen ich stillschweigen akzeptiere, obwohl sie mir eigentlich nicht in den Kram passen.

Was mir besonders auffällt: meinen Freunden versuche ich es immer, recht zu machen. Heisst konkret: wenn wir uns verabreden, lasse ich sie sagen, um welche Zeit. Meist sagen sie dann: „aber sag du, wo wir uns treffen“. Wenn ich dann einen Vorschlag mache, sind sie meist nicht zufrieden und bestimmen dann selbst, wo der Treffpunkt ist, oder wohin wir gehen wollen. Das nervt mich. Meine Vorschläge scheinen kein Gehör zu finden. Und zusätzlich bekomme ich Zweifel, ob ich überhaupt je einen Vorschlag mache, der einigermassen im Bereich des akzeptablen liegt. Es kommt mir so vor, als sage ich immer das Falsche und als seien meine Ideen und Wünsche total jenseits dessen, was normal ist. Ich traue mich oft überhaupt nicht, eigene Vorschläge anzubringen. Wenn ich einen Ort bestimme, versuche ich also herauszufinden, was meinem Gegenüber wohl am besten gefallen würde. Eigentlich ist das total bescheuert. Aber eben, genau in solchen Situationen verhalte ich mich unsicher, weil ich versuche, mich anzupassen, anstatt dass ich mal wütend auf den Tisch haue und sage, dass ich auch mal bestimmen darf wo es lang geht.

Was mir an der ganzen Sache Sorgen macht ist folgendes: Viele meiner Freundschaften gründen auf einem Ungleichgewicht: Meine Freunde dominieren, ich untergebe mich (dies ist jetzt sehr überspitzt dargestellt – es ist längst nicht immer so, aber in diese Richtung geht das Verhaltensmuster). Sie bestimmen, was wir wo wie wann tun, ich füge mich, oder aber sie haben keine Lust, überhaupt etwas mit mir zu unternehmen. Oft heisst es: ich will dorthin, kommst du mit? Wenn ich dann einen Gegenvorschlag mache, heisst es einfach: Ich und Person xx gehen trotzdem. Heisst für mich: Entweder ich füge mich, oder ich bleibe im Regen stehen.
Zurück zu meiner Vermutung: Ich glaube ernsthaft, wenn ich mich wehre und für mich einstehe, verliere ich meine Freunde. Sie müssten sich ja dann auch anpassen, müssten mal an einen Ort, wo ICH hinwill, aber sie nicht. Und genau das werden sie nicht tun. Ergo: sie werden sich nicht mehr mit mir treffen wollen. Vielleicht ist dies nun etwas übertrieben dargestellt, aber es wird längerfristig darauf hinauslaufen. Ist das nicht krass? Ich finde schon. Bei meinen früheren (zwar sehr kurzen und somit nicht wirklich repräsentativen) Partnerschaften war es auch so: sobald ich nicht mehr fügte, wollten sie gar nicht mehr.
Somit befinde ich mich in einer Zwickmühle: entweder ich gebe mich auf, oder ich verliere die Freunde.

Und wenn wir schon beim Thema Freunde sind, möchte ich noch etwas anderes ansprechen, das am Rande zum Thema ‘mich durchsetzen und für mich einstehen’ dazugehört:
was mir auffällt ist, dass sich da bei mir in letzer Zeit sehr viel verändert hat. Gerade die Frauenfreunschaften haben sich grundlegend verändert. Die meisten meiner Freundinnen haben einen Partner. Seitdem treffen wir uns nur noch zum Kaffee trinken oder auf ein Bierchen, mehr nicht. Wir treffen uns nicht mehr für einen Ausflug, nicht mehr zum Shopping und auch nicht mehr, um richtig auszugehen. Dafür haben sie ja jetzt ihren ‘Schatz’. Und auch beim Kaffee und beim Bierchen ist es anders: früher hätten wir noch persönliche Dinge besprochen, über Männer geredet, über Wünsche und Ziele. Davon ist jetzt nichts mehr übrig. Ich weiss nicht warum, aber die Partnerschaft scheint tabu zu sein. Nicht, dass es mich brennend interessieren würde, welche Farbe der Bettanzug des Pärchens hat, das ist mir so was von egal. Aber es ist mir wichtig, am Leben meiner Freunde teilzuhaben. Und richtige Freundschaften kann ich nur aufbauen, wenn da auch ein persönlicher Austausch stattfindet und man ein bisschen über sich und sein Leben erzählt. Mein Gegenüber muss für mich greifbar sein, ich muss wissen, wo die Person steht. Das brauche ich, um Vertrauen aufzubauen. Auch hier ist es also so, dass ich mich anpasse, aber somit das Gefühl verliere, echte Freunde zu haben. Ich traue mich nicht, mich durchzusetzen und das Thema anzusprechen.

Inzwischen habe ich sogar wahrhaftig das Gefühl, dass mir viele meiner Freunde etwas vorspielen. Plötzlich meint offenbar jede, sich einen Zacken aus der Krone zu brechen, wenn sie mir erzählen müsste, dass es irgendwo in ihrem Leben mal nicht so gut läuft. Allen scheint es immer supergut zu gehen, die Beziehung scheint immer supergut zu laufen und alle sind immer superaktiv und supergut drauf. Dumm nur, dass das Verhalten und die Gesichter meiner Freunde andere Geschichten erzählen. Ich weiss nicht, ob es Zufall ist, dass dies etwa seit dem Beginn ihrer Partnerschaften der Fall ist. Und irgendwie scheint es mir doch plausibel. Vielleicht haben sie das Gefühl, wenn sie einen Freund haben, müssen sie immer glücklich sein und dürfen sich nicht mehr beklagen. Vielleicht gerade deshalb, weil sie ja wissen, dass sie ihren Partner und ihre Situation selbst ausgesucht haben und somit dafür verantwortlich sind. Aber genau das stellt eine unsichtbare Wand zwischen mich und meine Freunde: ich spüre, dass da noch was ist, was sie mir nicht sagen wollen oder nicht zu sagen trauen.

Nun gut, ich kann sie nicht zwingen und mittlerweile denke ich mir einfach: sie sind selbst Schuld. Wenn sie meine Freundschaft nicht mehr wollen, dann müssen sie einfach so weiter machen, dann bin ich sehr schnell weg. Vielleicht finde ich dann andere Freunde, die nicht so stolz sind und mir auch mal was Persönliches erzählen mögen. Ich weiss, es gibt Menschen, die brauchen das nicht, um eine Freundschaft aufzubauen. Aber ich brauche es und deshalb kann ich nicht so weiter machen. Bei mir muss ein persönlicher Austausch stattfinden, man muss sich auch mal von Emotionen und Träumen erzählen können, sonst geht bei mir nix mehr.

Ich weiss jetzt gar nicht, was auf aus all dem Geschriebenen schliessen soll. Ich werde mich aber auf jeden Fall mehr durchsetzten bei meinen Freunden und wenn sie nicht mitmachen wollen, so dass das Geben und Nehmen sich in etwa die Waage hält, lasse ich sie ziehen.

Was Unsicherheit, Wut und ein ödes Leben miteinander zu tun haben

Veröffentlicht in Gefühle, Leben, Zufriedenheit tagged , , , , , , um 10:49 von francy11

Mein Leben fühlte sich in letzter Zeit sehr beschissen an. Langsam, träge, öde, farblos, langweilig. Seit einigen Tagen habe ich jedoch wieder Hoffnung. Ich war bei meinem Psychiater. Anfang Woche hatte ich keine Lust, doch im Laufe der Tage habe ich mich immer mehr gefreut und ich spürte, dass es heute wieder eine Sitzung sein würde, die mir richtig viel bringt.

Ich erzählte also drauf los von meinem öden Leben und wie unsicher ich auf die Menschen wirke usw. Er brachte es wieder mal fertig, mir mit ein paar Worten zu erklären wo der Hase vergraben ist und was ich dagegen tun kann. Eines hat mich ganz besonders gefreut: er meinte, meine Unsicherheit sei hauptsächlich darin begründet, dass ich meine Wut verberge, dass ich also quasi Angst habe, gegenüber anderen Menschen meine wahren Emotionen zu zeigen oder sie zumindest mir selbst zuzugestehen. So würde ich mich verleugnen, die Wut verdrängen und in die Unsicherheit oder die Angst gehen. Damit hat er denn Nagel auf den Kopf getroffen. Genau so ist es. Diese Erkenntnis gab mir Hoffnung: meine Unsicherheit haftet nicht wie Pech an mir. Sobald ich meine Wut zulasse, komme ich in meine Kraft, wirke sicher und Authentisch und flösse meinen Mitmenschen den Respekt ein, der mir auch gebührt. Rückblickend habe ich nämlich herausgefunden, dass ich mich immer dann unsicher verhielt, wenn ich mit meinem Gegenüber gar nicht einverstanden war oder wenn mich die Person bzw. deren Erwartungshaltung oder deren Verhalten ärgerte.

Mein Psychiater meinte, eigentlich sei ich gegenüber meinen Arbeitskollegen nicht unsicher, sie gehen mir ganz einfach auf die Nerven, ich fände sie Idioten und rege mich über sie auch. Ich fände sie öde, sozial inkompetent und einfach nur blöd. Mann, SO IST ES! Genau so. Da ich mich aber nicht traue, ihnen das zu sagen, stülpe ich mir das Gewand der Unsicherheit über. Damit ist jetzt Schluss. Ich werde jetzt für mich einstehen. Natürlich wird es Rückfälle geben, doch ich will es immer wieder neu versuchen. Es wird eine Herausforderung sein, das richtige Mass zu finden zwischen Direktheit („Mann, du bist so ein Idiot“) und diskreter Zurückhaltung (lassen wir es mal so stehen), doch ich bin überzeugt, dass dies reine Übungssache ist. Eine weitere Herausforderung wird sein, es auszuhalten, dass ich für viele Menschen dann nicht mehr die Liebe und Nette von nebenan bin. Ich muss Ablehnung, Neid und Ärger anderer Menschen aushalten lernen. Doch dafür gewinne ich ein grosses Stück Leben und Dynamik, innere Freude und Stolz sowie Respekt vor mir selbst.

Ich fühle mich schon seit der Psychiatersitzung viel lebendiger und freue mich auf die Herausforderungen.

08.03.09

Spass, wo bist du

Veröffentlicht in Gefühle, Leben um 11:54 von francy11

Mein Leben ist ja immerhin in eingermassen akzeptable Bahnen geraten. Aufkommendes Gefühlswirrwarr und andere Unangenehmen Vorkommnisse betäube und verdränge ich nicht mehr mit Fress-Kotz-Attacken. Das ist schon mal eine schulterklopf-verdächtige Leistung. Trotzdem – oder vielleicht: aus diesem Grund – geht es mir nicht gut. Mein Leben fühlt sich so uninteressant, langweilig, scheisse und unschön an. Wo bleibt der Spass? Ich kann ihn nicht finden. So sehr ich mich bemühe, dankbar zu sein für das, was ich habe und bin, gelingt es mir nicht, Freude zu empfinden. Wenn ich mal einen schönen Abend verbringe und viel lache, ist das ein Ausnahmezustand. Vielleicht bin ich verwöhnt, wenn ich sage: ich möchte das öfter als nur einmal pro Monat zufällig erleben. Es reicht mir nicht, um mein Leben als lebenswert zu betrachten. Ich will mehr erleben, mehr fühlen, mehr lachen, bessere Zukunftsaussichten, ich will einen Grund haben, der mich am Leben hält, ich will Motivation. Ja, ich will einen Traum.

Mag sein, dass dies zu hoch gegriffen ist. Mag sein, dass ich mich damit abfinden muss, dass ich ein ganz normaler Mensch bin mit einem ganz normalen Leben. Aber wenn es mich nicht glücklich macht, was dann? Ich will jetzt wieder mehr erleben. Leider kann ich das nicht erzwingen. Mehr unter die Leute zu gehen und mehr zu unternehmen bedeutet nicht zwingend, dass ich gefühlsmässig auch mehr erlebe. Mehr erleben tut man nur dann, wenn man wirklich bereit dafür ist, bereit, sich neuen Menschen und Situationen zu öffnen, bereit für das Unerwartete und Unvoraussehbare. Dies kostet Überwindung – jedenfalls mir persönlich. Doch es ist der einzige Weg, mich wieder lebendig zu fühlen.

Ich fange jetzt damit an. Lagebericht folgt später.

08.01.09

Ein kurzes Hallo

Veröffentlicht in Leben um 1:52 von francy11

Ich habe nun schon eine Weile nicht mehr gepostet, werde dies in Zukunft jedoch wieder öfters tun. In letzter Zeit hatte ich wieder vermehrt Stimmungsschwankungen und es ging mehr schlecht als recht. Dennoch bin ich auf dem austeigenenden Ast. Was mich im Moment beschäftigt, ist meine Zurückgezogenheit. Ich habe Probleme, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und längere Gespräche zu führen. Es wird mir schnell alles zuviel und dann ziehe ich mich zurück. So kommt es vor, dass ich bei wunderschönem Wetter mein Zimmer verdunkle, mich ins Bett verkrieche und darauf warte, dass es Abend wird. Auf eine Art brauche ich diesen Rückzug, so werde ich nicht verletzt und kann reflektieren. Dennoch macht es mich auch traurig und einsam. Wen ich Familien oder Cliquen, die gemeinsam Spass haben und ein Fest feiern, fühle ich mich umso einsamer und allein auf der Welt. Ich will jetzt versuchen, wieder mehr in Kontakt zu treten und mich gegenüber anderen Menschen zu öffnen. Das wird mir nicht von heute auf Morgen gelingen, doch ich akzeptiere, dass es seine Zeit braucht und ich freue mich darauf, wenn ich wieder mehr unternehmen kann.

Dann noch ein Klagewort:
Der 4 Jährige Bube, der bei mir wohnt (ein ADHS-Kind) treibt mich zum Wahnsinn. Wenn er schon nur in meine Nähe kommt, werde ich nervös und angespannt. Er schreit herum, rennt von einem Zimmer zum anderen, schlägt wie vom Affen gebissen um sich, quasselt in voller Lautstärke endlos blödes Zeugs. Es macht mich rasend!!!!!!!!!!! Kennt ihr Bambam?? Barney’s Sohn im Comic „Famlie Feuerstein“?? Etwa so kann man sich meinen nervtötenden Mitbewohner vorstellen. Bambam wohnt bei mir zuhause!!! ARRRRRRRRRRRRG!

(-> das musste ich jetzt einfach mal loswerden)