10.25.09

Hochsensibilität einmal mehr

Veröffentlicht in Hochsensibilität, Hochsensitivität, Sensibilität um 6:56 von francy11

Diese Woche war sehr anstrengend und (Gefühls-)aufreibend, wie man ja schon in vorherigen Posts lesen konnte. Am Wochenende war ich dann so übermüdet, dass ich es nicht schaffte, bei unserem Fasnachts-Planungs-Weiberabend gute Laune zu haben. Da half auch kein Weisswein, kein Rotwein und auch kein Schnaps. Dem Singstar verweigerte ich mich. Ich kann nicht singen und hatte keine Lust, mich zum Deppen zu machen. Ich hätte heulen können und musste mich arg zusammenreissen. Später gab es dann noch ein Musik-Quiz auf der Playstation. Ich kenne mich in diesem Gebiet nicht aus. Man kann nicht jahrelang kotzen und gleichzeitig Musikexperte sein. Jedenfalls fühlte ich mich an diesem Abend elend und einzig das Wissen um meine Übermüdung half, dass ich nicht völlig in meinen Depressionen wand.

Ich kam dann doch erst um 2 Uhr morgens ins Bett und war um 9 wieder hellwach. Gleichzeitig war ich todmüde, ich konnte kaum den Kopf gerade halten. Nach dem Mittagessen mit meiner Mutter legte ich mich im elterlichen Hause auf das Sofa. Ich dachte, ich könne nicht schlafen. Am Ende schlief ich ganze 4 Stunden, während mein Vater daneben herumschrie (nicht weil er böse war, er schreit halt einfach manchmal, anstatt dass er spricht) und meine Mutter Staub saugte. Kurz vor 6 wachte ich auf und fühlte mich einigermassen erholt. Ich fuhr dann nach Bern, legte mich wieder schlafen und beschloss, an diesem Wochenende nichts mehr zu machen ausser auszuruhen. Ich hatte es bitter nötig.

Die notwendige Ruhe kann ich mir umso mehr gönnen, je mehr ich meine ganz eigene Art und meine Wesenszüge verstehe. Durch das Buch, das ich zurzeit lese (‘Sind Sie hochsensibel?’) fühlte ich mich endlich verstanden und in meiner Art bestärkt. Ich weiss zwar nun schon seit längerem, dass ich nicht einfach verrückt oder schwach bin, sondern viel mehr Feinheiten um mich herum wahrnehme und somit auch früher als andere erschöpft bin. Ausserdem brauche ich aus diesem Grund immer wieder Gelegenheiten, um mich zurückzuziehen, das ist dringend notwendig, damit ich wieder in meine Mitte finde. Früher hatte ich deswegen immer gedacht, ich sei schwach. Heute weiss ich, es ist meine Art. Ich nehme Gefühle viel stärker wahr und auf. Das erschöpft. Aber es hat auch Vorteile, die ich hoffentlich immer klarer erkennen werde.

In dem Buch steht auch viel über meine Antidepressiva geschrieben. Es tat gut zu wissen, dass enorm viele hochsensible Menschen genau die gleichen Medikamente nehmen, um mit dem Leben besser klarzukommen. Natürlich ist es nicht die optimale Lösung. Aber ich verstehe langsam, dass ich mich nicht zu sehr mit den anderen Menschen verlgeichen sollte, die offenbar eine ganz andere Ausgangslage haben als ich. Und dass es – ganz offensichtlich – Menschen wie ich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Leben schwerer haben als andere.

Ich will mich überhaupt nicht in die Opferrolle drängen. Es hilft einfach, die gegebenen Tatsachen besser zu akzeptieren. Es wir mir auch immer bewusster, dass sich die meisten Menschen wohl nicht halb so viele Gedanken uns Sorgen machen wie ich. Deshalb haben sie auch mehr Zeit für ihre Hobbies oder andere Dinge. Es soll ja sogar solche geben, die machen sich überhaupt keine Gedanken. Für mich ungewöhnlich, aber es hilft, mir darüber klar zu werden. So kann ich versuchen, auch mal etwas weniger zu grübeln und nicht alles, was um mich herum geschieht gleich auf die Goldwaage zu legen. Die anderen machen das auch nicht.

Trotzdem ist will ich natürlich so viel wie es geht am ganz normalen Leben teilnehmen, das ist auch sehr wichtig für mich. Ich will mich nicht mehr so abkapseln, das tut nicht gut. Leider fehlt mir oft das Interesse, mich in gesellschaftliche Themen wirklich reinzudenken, aber ich werde mir Mühe geben.

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