11.15.09
Ärger
Endlich habe ich wieder kurz Zeit zum Schreiben. Die letzten Tage und Wochen habe ich Tag und Nacht gearbeitet. Oft bis spät nach Mitternacht, um dann um 8 Uhr wieder beim Kunden den Arbeitstag zu beginnen. Ich bin ausgelaugt und müde. Die letzten Tage kam es oft vor, dass ich in den Kleidern und mit Licht eingeschlafen bin und bis am Morgen durchgeschlafen habe. Meine Mitbewohnerin kam dann jeweils wenigstens das Licht löschen und mich zudecken.
Gestern als ich nach Hause kam, schob ich von innen den Türriegel zu. Ich dachte, wenn dann meine Mitbewohnerin heim kommt, kann sie ja klingeln, dann kann ich ihr die Türe aufmachen. Um 23 Uhr ging ich schlafen und dachte nicht mehr an die verriegelte Tür. Heute als ich aufwachte, die verriegelte Tür sah und meine Mitbewohnerin nicht da war schwante mir Böses. Wie verrückt suchte ich erst mal mein Handy, bis ich merkte, dass ich es im Auto vergessen hatte. Ich rannte im Schlafanzug zum Auto, um mein Handy zu holen. 9 Anrufe von ihr – und eine SMS, dass ich ihr Klingeln nicht gehört hätte und dass sie entweder auf der Treppe oder in ihrem Laden schlafen würde. Schock pur. Ich fuhr (im Schlafanzug!!!) sofort zu ihr in den Laden und holte sie ab. Sie schlief auf Stühlen und einem Berg von Kleidern. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen. Ausserdem brachte es mich zum Nachdenken. Wenn ich von der Arbeit so übermüdet bin, dass ich nicht mal mehr ein Sturmklingeln höre, dass ich mit den Kleidern einschlafe, mein Handy immer wieder irgendwo vergesse, dass ich die Autotüre eine Nacht lang weit offen lasse, dann kann etwas nicht mehr stimmen.
Heute ist Sonntag und die nächste Woche ist sehr, sehr streng. Ich sollte mich heute ausruhen, kann aber nicht, weil ich arbeiten muss. Es wird mindestens 4-5 Stunden dauern, bis ich alles von letzter Woche erledigt habe. Ich muss es heute Abend noch ins Büro bringen, damit es meine Chefin morgen reviewen kann. Ich will nicht mehr. Donnerstag und Freitag wurde ich von ihr kurzfristig auf einem Mandat eingesetzt. Wie sie da mit mir umging und was sie mir für die 2 Tage alles aufhalste grenzt an Mobbing. Wir waren zu viert und mussten Prozesse prüfen. Mir gab sie 3 Prozesse: den grössten und einen weiteren grossen und noch einen relativ kurzen. Ich bin verdammt noch mal erst ein Jahr dort. Die anderen (alle mindestens 2-3 Jahre dort) mussten nur einen (kürzeren) Prozess abarbeiten. Und derjenige, der immerhin 2 Prozesse hatte, hatte mit dem einen Prozess praktisch keinen Aufwand. Sie gingen alle bereits um 5 Uhr jeweils schon nach Hause und machten sich über mich lustig, im Sinne von: „Willst du etwa hier übernachten?“. Ich blieb bis 21 Uhr dort, um einigermassen vorwärts zu kommen. Ausserdem gaben sie mir viele Infos nicht weiter, die ich hätte erhalten müssen. Sie vergassen es einfach. Pech, was????
Das einzige, was mir gut tat, war, dass sogar der Finanzchef (unser Kunde) sagte, ich hätte den happigsten erwischt und sei ja total ins kalte Wasser geworfen worden. Beim Abschied am Freitag Abend dankte er mir dann besonders Herzlich für meinen Einsatz und meine Hilfe. Das tat gut. Ihm war total bewusst, dass die Aufgaben unfair verteilt wurden. Meine Chefin motzte dann noch die ganze Zeit herum, was ich alles falsch gemacht hätte und fragte mich die ganze Zeit: „das hast du schon auch gemacht, das hast du schon auch geprüft, davon hast du schon eine Kopie gemacht, ODER??????“. Nein, verdammt, für das meiste fehlte mir die verdammte Zeit, du Arschloch.
Ich war so sauer!!! Zum ersten Mal seit ich dort arbeite, dachte ich nicht mehr, dass ich nichts bin und nichts kann, sondern dass die anderen einfach totale Vollidioten sind, die die Aufgaben total unfair verteilen und kein Gespür für andere Menschen haben. Ich bin enttäuscht und schockiert zugleich. Wütend so oder so!!!
11.02.09
Der dritte Korken
Immer wenn meine Mitbewohnerin und ich etwas zu feiern haben, trinken wir Champagner, bzw. Mädels-Champagner mit Litchi-Geschmack. Die letzten Male haben wir angefangen, die Korken entsprechend zu beschriften und aufzubewahren. So haben wir z.B. einen „Guter Tag – 06.09.09″-Korken. Das war, als ich die Bänder riss und wir so einen lustigen Tag hatten. Der zweite Korken war unser einjähriges WG-Jubiläum, das war am 1.10.2009. Heute konnten wir den dritten Korken beschriften. Der Grund? Eigentlich wollte ich früh zu Bett, da rief mich eine Freundin an. Sie erzählte mir, dass sie sich soeben von ihrem Freund getrennt hatte und erläuterte mir die Details inkl. der Vorgeschichte. Es kam für mich nicht überraschend, ich hatte es schon lange geahnt. Dennoch war ich nach dem Telefonat einfach nur glücklich, dass ich diese Probleme momentan nicht habe. Ich würde es schlicht nicht aushalten. All die Kompromisse, die man in einer Beziehung eingehen muss, all die Vorwürfe, die teilweise erst nach Jahren an den Kopf geworfen werden, all die Beschämungen, all die Wut…mein Gott. Obwohl ich natürlich voller Mitgefühl war für meine Freundin, war ich einfach nur noch glücklich und nahezu euphorisch, dass ich diese Sorgen nicht habe. Ich rannte zu meiner Mitbewohnerin, nahm einen Champanger zur Hand und wir tranken auf unser glückliches Single-Leben. Es ging uns richtig gut. Es geht mir nicht darum, Beziehungen zu verurteilen. Aber wenn man als Single ab und zu einen Hänger hat, dann beschönigt man das Beziehungsleben schnell mal und vergisst all die Mühen, die dahinterstecken. Jetzt wurde mir das so richtig bewusst. Ich wäre jetzt nicht bereit, eine Beziehung einzugehen. Umso mehr freue ich mich, dass es für mich gar kein Thema ist.
So heisst unser neuer Korken: „Single-Feiertag – 2.11.2009″. Prost!
11.01.09
Heute ist ein guter Tag
Das Wochenende war bisher sehr ‘müde’. Eigentlich hätte ich am Freitag noch Pary machen wollen und gestern zumindest noch auswärts essen gehen. Daraus wurde nichts. Ich war von der Woche, v.a. vom unregelmässigen Schlafrhythmus so übermüdet, dass ich mich am Freitag und Samstag nur noch knapp bis 23 Uhr wach halten konnte. Dies fand ich zwar sehr schade, aber ich beugte mich der Situation und ging jeweils früh ins Bett. Wenigstens reichte es am Freitag noch für ein Bier in der Quartierbeiz und gestern noch fürs Kino (knapp ohne einzuschlafen). Gestern war ich den ganzen Tag über sehr schlecht gelaunt. Ich hatte schon Angst, wieder einen Bulimie-Rückfall zu haben, aber es ging dann zum Glück ohne.
Heute hatte ich dann Mühe mit dem Aufstehen, aber jetzt geht es mir wieder gut. Es ist ein schöner Tag und ich war zeitweise sogar richtig glücklich. Es ist immer noch ein wenig Angst vorhanden, aber es geht. Die Sonne scheint und ich war in der Stadt an der Sonne einen Kaffee trinken. Es tat sehr gut, an der frischen Luft zu sein und von der Sonne mit Energie versorgt zu werden. In einer halben Stunde gehe ich eine Freundin vom Bahnhof abholen. Wir werden ein bisschen spazieren, quatschen, was essen und uns dann zur Krönung des Tages vielleicht sogar einen Hammam-Besuch genehmigen.
Heute ist ein guter Tag und ich bin dankbar dafür.